Antwort vom Schulamt

Wir mussten ja für das neue Schuljahr erneut einen Antrag auf Ruhen der Schulpflicht stellen. Mir bangte schon sehr davor, da wir ja beim letzten Mal so lange und viel dafür kämpfen mussten. Noch immer hatten wir uns nicht ganz erholt von der anstrengenden Zeit, da stand der nächste Antrag an.

Damit von Anfang an beim Schulamt klar war, dass wir nicht alleine dastehen, baten wir unseren Anwalt, diesmal direkt den neuen Antrag bei der Bezirksregierung zu stellen. Er meinte zwar, dass dies wohl nicht nötig sei, da ein Folgeantrag normal schneller genehmigt wird. Aber in mir kroch die Angst hoch, dass es wieder so schlimm werden könnte, dass es mir lieber war, wenn er alles übernimmt.

Damit wir den Antrag stellen können, wollten wir möglichst direkt alle Unterlagen mit einreichen. So ließen wir von unserem Psychiater eine neue Stellungnahme schreiben, in der er alles aufführte, was ihm nicht zugemutet werden kann. Also, kein Besuch einer Regelschule, keine Hausbeschulung und ein Klinikaufenthalt sei sogar kontraproduktiv …

In dieser Stellungnahme war direkt alles drin, was sie beim ersteinmal einzeln kritisiert hatten. Wir wollten nicht wieder 10 mal zum Psychiater müssen, nur weil jemandem noch irgendetwas einfällt, was man anzweifeln kann.

Dazu legten wir noch eine Stellungnahme von seiner Psychologin und auch von der Webschule, die er ja mit Erfolg besucht.

So schickte unser Anwalt alles zum Schulamt und wir warteten auf Antwort. Dachten, es kommt bald ein Schreiben,- es fehlt noch…, oder sie müssen das näher belegen, dass … nicht möglich ist. Auch über eine Einladung zum Gesundheitsamt, für eine erneute Untersuchung, hatten wir erwartet. Nach 3 Wochen bekam der Anwalt einen Brief, sie hätten den Antrag erhalten und einen Untersuchungstermin beim Gesundheitsamt in Auftrag gegeben. Dies erfreute und verwunderte uns doch sehr. Nun bekamen wir direkt nur eine Einladung fürs Gesundheitsamt, sonst nichts? Kein Gemecker, dass wir noch … beweisen müssen, kein, er muss probieren an einer Förderschule unterrichtet zu werden oder … . Einfach nur, „wir benötigen noch eine Untersuchung beim Gesundheitsamt…“! Dies dürfte ja nicht so schwer werden, da die freundliche Ärztin schon beim ersten Mal Tom bescheinigt hat, dass sie das Ruhen unterstützt. So warteten wir auf eine Einladung. Aber es tat sich nichts, 2-3 Wochen nichts. Dann fragte mein Mann einmal beim Gesundheitsamt direkt nach, ob wir ihnen die neuen Unterlagen schon einmal zukommen lassen sollten. Aber beim Gesundheitsamt sagte man ihm, sie hätten schon alles und würden das Ruhen empfehlen. Die Ärztin würde keine persönliche Untersuchung benötigen, sondern nach Aktenlagen entschieden und dies dann zur Bezirksregierung senden.

Wie jetzt, die entschiedet einfach so und schreibt, dass sie für das Ruhen der Schulpflicht ist? Einfach so? Kann dies sein? Wir konnten es kaum glauben. Aber nun mussten wir noch auf die Reaktion vom Schulamt warten und ob die das auch so sehen und sich der Meinung einfach so anschließen?

Wieder dauerte es 2-3 Wochen und nichts passierte. Aber dann bekamen wir Antwort durch unseren Anwalt. Sie haben das Ruhen genehmigt und direkt geschrieben, dass er ja im nächsten Jahr keine weitere Befreiung benötigt. Wow, welch ein Tag. Nie wieder Schulpflichtig, keine Anträge mehr stellen müssen, kein Kampf mehr mit dem Schulamt, keine Angst mehr, dass Tom in irgendeine Einrichtung gezwungen wird, kein ständiges rechtfertigen müssen und beweisen…. Fertig für immer.

Es benötigte mehrere Tage, bis wir es glauben konnten, dass es wirklich vorbei ist. Leider kam nach der großen Freude erst noch einmal eine Zeit, wo die ganze Überforderung der letzten Jahre raus kam. Die Last viel von uns ab und mit der Entspannung, kam erst einmal noch das verarbeiten der letzten Jahre. So vieles war in der Zeit passiert, auf so vieles haben wir verzichten müssen, so sehr hat mein Körper gelitten durch die Überforderung, so schwer war es die ständige Angst zu ertragen, was nun als Nächstes passiert. Dieses ständige auf und ab, nie wissen, wie sie reagieren, immer die Auflagen erfüllen zu müssen, um dann etwas Neues vor die Füße geworfen zu bekommen, was wir wieder lösen müssen… . Dieser ständige Kampf hat uns alle sehr müde gemacht, aber wir werden daran arbeiten, dass es uns bald wieder richtig gut geht.

Dann ist auch die Zeit, wo wir uns darum kümmern, dass wir Pflegegeld beantragen und für die großen Kinder mehr Zeit haben. Wir hoffen alle so sehr, dass endlich Ruhe in unserer Familie einkehren wird.

Wie das letzte Jahr verlief

Der Antrag für das kommende Schuljahr war wieder gestellt und es hieß warten, auf die Dinge die da kommen. Diese Zeit war nicht einfach, wie das letzte Jahr es auch nicht war. Wir hatten alle gedacht und gehofft, dass wir uns ganz schnell erholen und es wieder wie früher wird. Leider war dies nicht der Fall.

Erst benötigten wir doch einige Zeit um daran wirklich zu glauben, dass es vorbei sei. Aber daran hinderte uns wieder einmal die Sonderpädagogin, da sie meinte, uns noch mehrmals anschreiben zu müssen und zu sagen, wir müssten uns aber weiterhin mit ihr treffen, da sie von der Bezirksregierung beauftragt sei…

So flatterten in den nächsten Monaten mehrere Briefe bei uns ein, worin sie uns zwingen wollte, dass wir uns treffen. In Absprache mit unserem Anwalt schrieben wir ihr freundlich aber direkt zurück,- wie schon vor dem Ruhen der Schulpflicht, dass sie uns doch den schriftlichen Auftrag des Schulamtes zusenden soll und wir dann überlegen, was zu tun sei. Darauf erholten wir keine Antwort, aber ein ähnliches Schreiben, was wieder ein Treffen begründen sollte. Wir blieben hart und schrieben wieder, dass wir den Auftrag schriftlich sehen wollen.

Wie kann es sein, dass sie irgendwelche Absprachen mit dem Schulamt trifft, ohne dass dies schriftlich festgehalten wird? Auf welcher Grundlage wollen die uns denn zu solchen Treffen zwingen? Wer hat das entschieden, dass sie Tom weiterhin beschulen soll? Was soll dies bringen? Wir wußten es nicht, also nichts schriftliches, keine Treffen, da blieben wir hart. Aber es hat doch immer wieder Stress bereitet, der uns beim „Ruhefinden“ nicht geholfen hat.

Seine alte Regelschule meldete sich auch mehrmals, wir müssten mal zum Elternsprechtag kommen, damit man sich einmal kennenlernen könnte oder, die Sonderpädagogin hätte ihnen geraten, dass wir Tom fürs nächste Schuljahr doch besser auf einer anderen Schule anmelden sollten. Sie hätte auch schon mit dem Rektor dort geredet…. .

Was bitte soll so etwas? Warum mischen sich immer noch so viele ein, ich dachte, wir hätten das Ruhen der Schulpflicht damit Ruhe ist. Diese ständigen Meldungen machten uns die Erholung viel schwerer und es dauerte noch länger, bis wir wieder zur Ruhe kommen konnten.

Auch die Prüfung durch die Webschule verursachten Aufregung, aber diese war kurz und schnell durch Erfolg gekrönt. Insgesamt können wir sagen, dass Tom sich in diesem Schuljahr so toll weiterentwickelt hat, dass es soooo toll ist anzusehen. Nun ist uns auch noch klarer, wie sehr es für ihn wichtig ist, dass er stressfrei leben darf, nicht gezwungen wird IN ein Schulgebäude zu gehen oder ständig sich mit Menschen auseinandersetzen muss, die er nicht gut kennt und somit auch nicht einschätzen kann, was die von ihm wollen.

Wir sind aber dennoch sehr überrascht davon, wie sehr uns alle die letzten Jahre Kraft gekostet haben, was wir nicht mal eben wieder so auffüllen können. Es bedarf doch viel mehr Zeit und Ruhe als gedacht. Uns wird mit jedem Schritt, den wir wieder nach vorne machen, bewußt, wie stressig die Jahre wirklich waren. Wieviele Dinge wir garnicht mehr gemacht haben, da die Kraft fehlte. Auch, wie sehr sich eigentlich das ganze Leben nur noch um die Schulpflicht drehten und alles was daran hängt. Immer wieder neues herausfinden, begründen, dokumentieren, Gutachten schreiben lassen, dazu zu Psychiatern und Therapeuten fahren, mit unserem tollen Anwalt kommunizieren und ihn bezahlen…. . Tag ein Tag aus, die wenige Zeit, die mal nichts war, benötigten wir zur Erholung.

Es ist uns immer noch unbegreiflich, wie es in Deutschland sein kann, dass Ämter solch eine Macht haben und es immer noch so ein hartes Schulgesetz gibt, was kranke und behinderte Kinder nicht schützt, sondern unnötig quält, wenn zuständige auf den Behörden dagegen sind, dass ein Kind nicht einfach so in eine Regelschule gehen kann. Es sollte doch so sein, dass Gutachten von Psychiatern ausreichen, das das Ruhen erteilt wird und nach einer passende Beschulung geschaut werden kann.

Leider ist das Geld der größte Faktor, warum es uns Familien oft so schwer gemacht wird. Dazu noch unkompetente Psychiater oder Therapeuten, die immer nich glauben, sie wüßten über Autismus Bescheid und die Kinder müssten einfach nur gezwungen werden … .

Mich macht dies alles so traurig, dadurch entsteht soviel Leid, was überhaupt nicht sein müsste. Die Kinder, die so lange gequält in eine Schule gehen mussten, sind doch noch lange Zeit bedrückt und oft auch später nicht in der Lage entspannt arbeiten zu gehen.

Es hat keinen großen Erfolg oder bringt einen weiter, wenn man die Kinder so schlecht behandelt. Ich hoffe, da wird sich bald etwas ändern,- zum positiven. Bis dahin sollten wir uns gegenseitig helfen.

Neuer Antrag auf Ruhen der Schulpflicht

Damit wir uns nicht wieder soviel Stress machen und die bei der Bezirksregierung direkt weiß was Sachen ist, haben wir uns entschlossen, dass unser Anwalt, der uns ja nun schon seit über zwei Jahren super betreut, dies für uns übernimmt. Diese Kosten hätten wir uns sparen können, aber dies ist es uns wert, denn wir merken, wie sehr der Stress, der die letzten Jahre uns unnötig gemacht wurde, noch in unseren Knochen steckt. So halten wir soviel Abstand wie möglich.

Jetzt ist es schon wieder soweit, wir müssen bald den neuen Antrag stellen. Damit das Ruhen der Schulpflicht weiterhin genehmigt wird, für das nächste Schuljahr.

An vielen Stellen ist das Schuljahr viel besser verlaufen, als gedacht. Tom hat sich so toll weiter entwickelt. Er ist nun ruhig und ausgeglichen. Trifft sich locker mit seinem Freund und die beiden haben viel Spaß zusammen. Bei Familienfeiern ist er meist dabei und freut sich mit uns zu grillen oder spielen… .

Auch in der Webschule ist alles noch entspannter. Den 9er Hauptschulabschluss hat er ja mit guten Noten bestanden, nun geht es an den 10er Abschluss und dann noch den Realschulabschluss. Das lernen ist mit der Webschule wunderbar. Sein Lehrer hilft ihm sich immer mehr zuzutrauen, öfters zu skypen und länger Unterricht zu machen. Er bekommt immer mehr Selbstwertgefühl und Ideen, was er noch so im Leben machen möchte.

Es ist so toll zu erleben, wie er sich nun weiterentwickelt. Um so trauriger ist es, zu wissen, dass wir dies schon vor über zwei Jahren hätten erleben können, wenn wir nicht unnötig diesen Kampf hätten durchstehen müssen. Er hat uns nicht nur aufgehalten, sondern zusätzlich auch noch dazu geführt, dass Ängste, Stress und misstrauen in die Menschen in uns größer wurden. Dies musste alles erst einmal in dem letzten Jahr wieder abgebaut und verarbeitet werden.

Durch die ständigen emails und Briefe von der Sonderpädagogin, wurde der Prozess des entspannen und kraft tanken immer wieder zurückgeworfen. Als man sich langsam sicher sein konnte, dass endlich mal Ruhe ist, ist die Zeit schon vorbei und der neue Antrag muss gestellt werden.

Wir hoffen darauf, dass es diesmal schnell geht und wir keine großen neuen Auflagen bekommen. Natürlich haben wir im Vorfeld ein neues Gutachten vom Psychiater erstellen lassen und auch eines von seiner Therapeutin. Ob dies diesmal zählt und ausreicht? Das hängt nicht von seinem Inhalt ab, der zwar für das Ruhen spricht, sondern davon, ob die Chefin vom Schulamt gewillt ist, den Jungen sein letztes Jahr der Schulpflicht einfach so zu befreien. Denn nächstes Jahr wird er 18 und das Thema hat sich endlich erledigt.

Dieser Dame ging es nie um das persönliche Wohl von Tom, sondern sie hatte sich irgendwann einmal dazu entschieden, dass es das beste sei, wenn alle Kinder IN eine Schule gehen,- also IN ein Schulgebäude! Sie weigert sich, noch einmal darüber nachzudenken, ob nicht so manches Kind dort, überfordert, nicht gut aufgehoben oder dadurch sogar krank wird. Ihre Entscheidung steht einfach so fest, basta. So muss sich nun jeder Antrag ihrem Urteil anpassen. Nicht sie hört auf Psychiater oder Psychologen, nein,- die Kinder müssen lernen zu funktionieren, weil sie dies so will.

Ihre Entscheidung steht schon fest und ist durch kaum etwas zu verändern. So wird einfach auf Zeit gespielt, immer wieder neue Auflagen gemacht, die hoffentlich beweisen, dass er doch gehen kann oder es wird gewartet, dass wir aufgeben oder eine andere Lösung finden… . Zumindest haben sie es ja geschafft, dass er 3 Jahre länger so in der Schulpflicht geblieben ist und auch an einer Schule angemeldet war.

Wir hatten doch wirklich am Anfang geglaubt, wenn wir ihnen das erklären, ihnen schriftlich vom Psychiater beweisen und die Sonderpädagogin es live erlebt…, dass sie dann es verstehen und erkennen, dass es wirklich das beste für Tom ist an der Webschule zu lernen. Ein Irrglaube, denn die waren ja nie darauf ausgerichtet, dass er das Ruhen bekommt. Das Urteil stand am Anfang schon fest, es musste eigentlich nur noch daran gearbeitet werden, dass wir dies auch so einsehen und uns danach richten.

Wir wissen bis heute nicht, wieviele Kinder im Jahr dort ein Ruhen der Schulpflicht genehmigt bekommen. Ich kenne nur mittlerweile noch 3 andere Familien, die es nicht bekommen haben. Alle in ähnlicher Situation wie wir. Die Begründungen sind vom Amt auch immer die gleichen, genauso wie die Taktik, die dort gespielt wird. Wieviel leid sie den Familien dort zufügen, wissen die bestimmt nicht, oder wollen dies auch nicht wissen?

So können wir nun sehr gespannt sein, wann eine Reaktion aus der Bezirksregierung kommt und welche. Wir lassen uns jedenfalls auf nichts ein. Ein Besuch beim Gesundheitsamt wäre ok, die Ärztin dort wird Tom bestimmt weiterhin schulunfähig schreiben. Aber alles andere wird abgeblockt. Dann spielen wir auf Zeit und warten bis er 18 ist oder ziehen schnell vor Gericht.

Ob es irgendetwas gibt, was der noch die Augen öffnen kann? Wir werden es bald wissen. Hoffen wir das beste, vielleicht klappt mal etwas einfach so.

Corona und Webschule

Aus gegebenem Anlass schreibe ich einen kurzen Einblick in unser Leben, wie es sich nun mit dem Coronavirus verändert hat. Es ist schwer sich auf das Virus einzulassen und sein Leben so zu verändern, dass wir geschützt sind und auch andere nicht gefährden. Dies haben leider immer noch viele Menschen nicht verstanden, so das vielleicht auch noch eine Ausgangssperre kommt. Im Frühjahr waren erst einmal nur die Schulen und Kindergärten geschlossen. Dies bringt aber viele Familien und Schulen an ihre Grenzen, denn wie sollen jetzt nur die Kinder lernen?

Es wird nun spontan ausprobiert, die Kinder mit Aufgaben über emails, Skyp oder WhatsApp zu unterrichten. Dies klappt bei vielen Schulen nur schlecht, da weder die Schulen noch die Lehrer und die Schüler natürlich auch nicht, darauf vorbereitet sind. Sie wissen nicht, wie man eine Schulstunde gut strukturiert, geben zu viele oder wenige Aufgaben zum lernen. Die Schüler müssen meist alleine klar kommen oder können sich mit fragen an keinen wenden. Passendes Material ist kaum vorhanden. Einige Kinder haben nicht die passenden Geräte zuhause um per Skype unterrichtet zu werden und viele Lehrer haben nicht das wissen oder die Lust, eine Unterrichtsstunde per Skype zu halten. So entsteht ein großes Chaos, jede Schule versucht ihr eigenes Ding. Bei einigen funktionierte dies gut und bei anderen klappt garnichts. Viele Kinder werden überhaupt nicht unterrichtet, andere bekommen nur einen Stapel Blätter geschickt oder sollen sich welche ausdrucken. Bearbeiten müssen sie die dann aber selbstständig, was für einige Kinder ein großes Problem darstellt.

Nun zeigt sich immer mehr, welch schlimme Verhältnisse in unseren Schulen herrschen. Wie unterschiedlich gut die Kinder begleitet werden und so auch unterschiedliche Möglichkeiten haben. Leider sind gerade die Kinder aus Brennpunkten sehr benachteiligt in Coronazeiten, da sie oft nicht ausreichend genügend Geräte zuhause besitzen, die Wohnsituation meist sehr beengt ist und sie vielleicht auch weniger Unterstützung bekommen. Wenn dann auch noch die Schule schlecht ausgestattet ist und die Lehrer sich nicht viel Mühe geben, einen Unterricht irgendwie trotzdem möglichst erfolgreich zu gestalten, dann wird es schwer und für manch ein Kind unmöglich weiterhin im Stoff mitzukommen.

Wir freuen uns, dass die Coronazeit keinerlei Veränderung im Unterricht an der Webschule gebracht hat. Selbst wenn so manch ein Lehrer aus Schutz vor Corona von zuhause aus unterrichtet hat, findet die Schulzeit dennoch genauso gut statt wie immer.

Es zeigt sich, dass die Art zu lernen sehr gut ist, sehr effektiv und auch dazu führt, selbstständig sich viele Themen zu erarbeiten. Die Lehrer sind die ganze Lernzeit für ihre Schüler da, man kann ihnen Fragen stellen und auch täglich skypen. Bekommt immer passende Aufgaben, damit man den Stoff lernen kann und Unterstützung wo man sie benötigt. Dabei wird mit gutem passenden Lernmaterial gearbeitet.

Jeden Tag darf ein Kind mit seinem Lehrer 30 min skypen und so genauer noch einmal alles durchsprechen, wo noch fragen sind. Es werden alle prüfungsrelevanten Fächer unterrichtet so das die meisten Kinder dann richtig fit darin sind. Die Prüfungen verlaufen dann gut und meist bestehen alle Kinder mit guten Noten.

Für uns war oder ist es ein großer Segen, dass Tom an der Webschule unterrichtet werden kann. Nicht nur, da er nicht mehr an der Regelschule unterrichtet werden konnte. Ich weiß nicht, wie das geworden wäre, wenn er hier alleine gesessen hätte und nur Blätter geschickt bekommt oder jetzt wieder bei den ganzen Maßnahmen in die Schule müsste.

Nun stellt sich aber die Frage, haben die Schulen das halbe Jahr genutzt um sich auf einen eventuellen erneuten schließen vorzubereiten? Ich glaube nicht. Bei den wenigsten Schulen hat sich etwas verändert. So bleibt nur zu hoffen, dass die Schulen jetzt wo sie wieder schließen mußten, nun doch besser unterrichten können. Dies glaube ich leider nicht. Nur gut, dass bald erst einmal Ferien sind. Aber wie geht es danach weiter?

Arme Schullandschaft Deutschland, dass wir so hinterherhinken in Digitalisierung, Homescholing, neuen Lernwegen mit freiem lernen, … ist sehr traurig. Wenn aber selber die Corona-Krise nicht dazu führt, dass sich endlich etwas ändert, dann wird das die nächsten Jahre wohl auch nichts werden. Sehr schade.

Abschluss bestanden

Nach einem Monaten haben wir die tolle Nachricht erhalten, dass er die Prüfungen mit guten Noten bestanden hat. Wir sind darüber sehr sehr glücklich.

Es ist für uns nicht so wichtig, dass er den 9er Hauptschulabschluss nun hat, denn er will ja sowieso noch weiter lernen. Wir wissen ja auch seit Jahren, wie schlau er ist und das er nur noch keinen Schulabschluss gemacht hatte, da er nicht mehr in ein Gebäude gehen konnte und das Schulamt und Jugendamt uns das Leben so schwer gemacht haben.

Da es in Deutschland immer noch keine klare Regel gibt für Schüler, die eine eindeutige Diagnose vom Psychiater haben, dass sie passend beschult werden müssen. Muss jede Familie erst mehr oder weniger darum kämpfen, für ihr Kind Hilfe zu bekommen. Denen ein Schulbesuch nicht möglich ist und/oder dieser sogar gesundheitsgefährdend ist, die haben kein automatisches Anrecht auf eine andere Art der Beschulung. Bis sie dann ein Anrecht auf online Unterricht bekommen, müssen viele oft Monate oder Jahre darum streiten. Der Kampf von der Schulpflicht befreit zu werden oder die Kosten vom Jugendamt getragen zu bekommen, raubt den meisten dann die letzte Energie. Nicht selten kommen vom Jugendamt sogar Anschuldigungen gegen die Eltern, dass sie sich schlecht um die Kinder kümmern, dann wird die Erziehung geprüft. Leider wird auch einigen Müttern einfach ein „Münchhausen Syndrom“ unterstellt. Dann müssen die Eltern beweisen, dass dies nicht stimmt. Traurig so etwas.

Dieser unnütze Kampf, für Dinge, die selbstverständlich sein sollten, machte die Situation für uns nur noch schlimmer, nicht besser. Wir haben es ja nun genau erlebt, wie es Tom ging die ganze Zeit. Für kaum etwas Neues war Energie über, alles bedeutete Stress. Das was er machen musste, raubte soviel Kraft, brachte ihn so aus dem Takt, dass die ach so hoch gelobte Integration, völlig auf der Strecke blieb. Freunde hatte er die 7 Jahre Schule keine gefunden, was uns ja immer erzählt wurde, dass er dort hin muss damit er Kontakt hat. Wo ist dieser ganze tolle Kontakt denn?

Seit dem Ruhen der Schulpflicht, ruht er immer mehr in sich und entwickelt von sich aus wieder Ideen für Neues. Er traute sich mit ins Kino zu gehen, wollte unbedingt in eine große Halle mit um sich dort einen Comedian anzusehen, ist mit in die Stadt gefahren um neue Kleidung zu kaufen, die er dann auch angezogen hat. Ist bei uns, wenn wir Besuch bekommen und freut sich auf den Urlaub….

Welche Methode ist nun effektiver um am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen?

Das alles ist der Grund, warum wir uns so sehr über die bestandene Prüfung freuen. Denn man sieht auch hier, dass es schulisch weiter aufwärts geht. Er entwickelt immer mehr Freude am lernen, verbindet verschiedene Themen miteinander, erkennt Zusammenhänge, ist nicht mehr gestresst nach dem Unterricht und freut sich, wenn er noch länger dort weitere Schulabschlüsse machen darf.

Wir werden sehen, was die einzelnen Behörden von seiner Entwicklung so halten, wenn wir bald das neue Ruhen beantragen werden. Im Moment ist das Jugendamt auch auf unserer Seite. Sie haben uns ein positives HPG geschrieben und darin bestätigt, dass er sich im letzen Jahr so toll weiterentwickelt hat.

Warum darf es sein, dass Behörden die ach so hoch angesetzte Schulpflicht dazu benutzen Kinder davon abzuhalten, sich in Ruhe weiter zu entwickeln und ein glückliches Leben zu führen? Warum darf die Schulanwesenheitspflicht mehr wert sein, als ein glückliches Kind? Warum darf ein Amt sich über das Gutachten eines Psychiaters hinwegsetzen und alles anzweifeln und dabei auch noch auf Zeit spielen. Über zwei Jahre Kampf bis zur völligen Erschöpfung, so das auch das gesamte Familienleben nicht mehr so wie früher möglich war. Die ganze Familie hat darunter gelitten, vom finanziellen mal ganz abgesehen. Dabei muss man sagen, dass wir in der Lage waren die Webschule die zwei Jahre selber zu finanzieren und er so schon die Zeit lernen konnte. Wer dies nicht kann, muss warten und die Kinder kommen schulisch nicht weiter.

Ich hoffe wirklich, dass die Leute vom Schulamt nun erkennen, dass unser Weg für uns der wirklich bessere ist. Wir hoffen darauf, dass nicht noch einmal solch ein Kampf auf uns wartet. Bald müssen wir erneut den Antrag stellen und vorher zum Psychiater um die gute Entwicklung bestätigen lassen.

Hoffen wir mal, dass alles gut verläuft und nicht wieder ein monatelanger Kampf auf uns wartet.

Die ersten Prüfungen

Die Zeit vergeht und wir erholen uns alle immer mehr. Die Webindividualschule klappt immer besser, Tom ist entspannt, macht mittlerweile gerne Unterricht.

So hat sein Lehrer entschieden, dass er doch zur Probe im Winter die Prüfung mitmachen darf. Es ist der 9er Hauptschulabschluss, eigentlich ist er bald mit dem Stoff der 10 Klasse durch, aber damit er nicht zu sehr überfordert wird, von dem ganzen neuen, wollten wir es probieren.

Es zeigte sich, dass diese Entscheidung sehr gut war, denn es stresste ihn doch sehr, sich vorzustellen, dass er in Bochum mit anderen Kindern die Prüfungen schreiben sollte. So lange hatte er nun keine Arbeit mehr geschrieben, sich von Schule und allem, was dazu gehört distanziert. Mit anderen Kindern, seines Alters hatt er auch Probleme, da er sie sehr schlecht verstehen kann und die Hänseleien aus der Regelschule, waren auch noch nicht verdaut.

So kamen doch wieder 100 fragen auf, die wir nach und nach versuchten zu erklären oder zu lösen. Fragen wie, „Welche Fächer muss ich schreiben, wie oft muss ich nach Bochum, wieviele Kinder sind da, wieviele erwachsene“? kamen genauso wie, “ was mache ich, wenn ich da weg will, muss ich mit anderen Kindern in einem Raum schreiben, was könnte mich jemand fragen oder, wenn ich nach 15 min fertig gerechnet habe, kann ich dann einfach gehen“? Er machte sich keine Sorgen darum, dass er es fachlich nicht schafft, sondern die ganzen Frage drehen sich ums drum herum. Der Stress, der entsteht, weil alles neu und unbekannt ist, er nicht genau weiß, was passiert oder was wer von ihm will…, dies bereitet Stress.

Also, wie können wir diesen Stress etwas auffangen? Als erstes entschlossen wir uns vorher 2-3x nach Bochum zu fahren, dann kann er seinen Lehrer und die Räumlichkeiten schon einmal live kennenlernen. Wir besprachen mit seinem Lehrer, ob es möglich sei, dass er alle Prüfungen hintereinander schreibt und dabei alleine in einem Zimmer sitzt. Die Schule ist sehr bemüht für jedes Kind möglichst alle Probleme zu lösen, deshalb wurde uns gesagt, dass er alleine oder mit einem anderen Kind in einem Raum schreiben darf und nur sein Lehrer dabei ist. Leider kann er aber nicht mehr als die angesetzte Prüfung für den Tag schreiben, da diese ja von externen Prüfern erst den passenden Tag mitgebracht werden. Da es aber für den 9er Abschluss auch nur 2 Tage Prüfungen sind, wird dies hoffentlich so klappen.

So planten wir den ersten Besuch an der Webschule, der nur ca 15 min lang sein sollte, damit er Tom nicht überfordert. Sein Lehrer war sehr gerne dafür bereit und empfing uns gegen Mittag am Gebäude. Die Schule ist groß und Lichtdurchflutet, alles sehr hell und freundlich gestaltet, noch viel schöner, als wir es von den Bildern schon gedacht haben. Dort können und sollen sich die Lehrer und Besucher wohlfühlen.

Nach einem kleinen Rundgang durch die Schule, sind wir gemeinsam in das Unterrichtszimmer von Toms Lehrer gegangen. Die obere Etage dient hauptsächlich zum unterrichten, dort hat jeder Lehrer seinen eigenen Raum, von wo aus er Skypt und die Kinder betreut. Für Tom war dies alles sehr aufregend, die vielen neuen Eindrücke, sein Lehrer live und nicht genau zu wissen was gleich kommt… . Da wir aber die ganze Zeit dabei waren, klappte es gut. Wir redeten am Anfang einfach, hatten dann das Gespräch auf Fußball gebracht, da unser Junge darüber am besten und liebsten sprechen kann. So wurde er dann auch locker und kam mit ihm ins Gespräch, so war es ein gelungener erster Besuch.

Zwei Wochen später sind wir noch einmal nach Bochum, an diesem Tag hat Tom alleine in dem Zimmer seines Lehrers eine Probe Mathearbeit geschrieben. Wir durften solange unten im Aufenthaltsraum warten und wurden freundlich von allen begrüßt die durch den Raum huschten. Tom schrieb über eine Stunde, redete in der Zeit einiges mit seinem Lehrer, fühlte sich dort recht wohl und bei ihm auch sicher. Das ist schön, dass er ihm so vertraut.

So haben diese Besuche sehr viel positives in ihm bewirkt. Danach konnten die Prüfungen kommen, die er gut bestanden hat. Jetzt kann man entspannt auf die nächsten Prüfungen hinarbeiten.

Ja, es läuft nicht alles so einfach wie bei „normalos“, aber wenn wir uns auf jeden Autisten einstellen, ihn gut vorbereiten, ihm Zeit lassen, die Grenzen akzeptieren und in Ruhe alles angehen, ist sehr viel möglich. Das ganze hat uns 2 Tage Zeit gekostet, Vorbereitung und Nachsorge…, aber es hat sich gelohnt. Tom ist nun noch entspannter mit der Schule, öffnet sich seinem Lehrer gegenüber noch mehr und hat mittlerweile auch wieder mit ihm geskypt, was ja seit dem Lehrerwechsel nicht mehr möglich war. Auch hat er dadurch wieder so viel Selbstvertrauen in sich gewonnen, dass er mit seinem Freund im Kino war und zu einer Veranstaltung eines Comedian mitgegangen ist. Dies war vor einem Jahr noch undenkbar.

Das ganze zeigt uns wieder einmal, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn die ganze Prüfung mit Vorbereitung haben wir nur mit der Webschule bzw mit seinem Lehrer so abgesprochen. So war niemand da, der uns sagte, ihr müsst das so machen, der braucht doch nicht vorher nach Bochum reisen, warum kann der nicht mit den anderen schreiben… . Wir kennen unser Kind am besten und haben die gesteckten Ziele gut gemeistert. Ich hoffe mal, dass keiner noch jemals darüber meckern wird. Schön, wenn sich endlich alle da raus halten und uns machen lassen.

Aber leider bekommen wir immer wieder von der Seite „Anfragen“, von Leuten die meinen, wir müssten doch mal… machen und uns endlich um … kümmern. Wir dachten doch, es sei nun ein Jahr Ruhe, aber nein …, immer wieder müssen sich andere einmischen.

Wie es uns nun geht

Seit dem melden vom Schulamt,- und Jugendamt sind 4 Monate vergangen und es hat sich so einiges verändert.

Tom ist in dieser Zeit noch einmal richtig aufgeblüht, die Schule klappt noch entspannter, seine Therapeutin hat ihm bestätigt, dass er offener ist und sein Lehrer ist guter Dinge, dass er im Winter die ersten Prüfungen an der webschule mitmachen kann…

Auch wir merken, wie gut es ihm einfach tut, dass ersteinmal alles geklärt ist mit den Behörden. Er hat noch mehr Energie über für schöne Dinge. So kann er sich noch mehr mit seinem Freund treffen, schreiben oder auch Skypen. Ist noch mehr Zeit mit uns zusammen, fängt wieder mehr an, zu kochen, backen oder mit uns zu spielen… . Ist dabei wenn Besuch kommt oder fährt mit uns einkaufen oder in eine Stadt… das macht einfach Freude zu sehen, dass es ihm gut geht. Er ist sehr ruhig und ausgeglichen, mag sich und sein Leben, hat Energie über und wird selten nur noch krank.

Jetzt können wir endlich anfangen, neues zu erlernen. Dinge wie, selbstständig zu kochen, aufzuräumen oder einkaufen zu gehen… . Aber auch, Menschen noch besser zu verstehen, was sie denken, wollen oder meinen…, damit hat er immer noch so seine Probleme. Nur ist er jetzt meist aufnahmefähig und interessiert daran, mit anderen besser in Kontakt zu kommen, sie zu verstehen oder ihre Welt kennenzulernen…

Es zeigt sich auf ganzer Linie, dass dies so der richtige Weg ist. Leider dürfen wir den ja erst seit kurzem gehen. Es hätte uns viel leid erspart und ihn schon früher wieder entspannt werden lassen, wenn wir nicht so lange gezwungen worden wären, alles mögliche zu beweisen.

Bei uns sieht es noch etwas anders aus. Wir brauchen immer noch viel Zeit um den gewaltigen Stress zu verarbeiten. Da wir auch noch mit unseren anderen Kindern mit Ämtern Stress haben, kommen wir noch nicht so schnell zur Ruhe.

Wir merken, wie groß unser Misstrauen gegenüber Ämtern, Krankenkassen oder Psychiater und Pädagogen ist. Wenn uns immer wieder jemand sagt, wir sehen das falsch, müssen neue Beweise für unser Anliegen liefern oder so könnte das ja garnicht sein…, sind wir nun schnell etwas mürrisch und zeigen dies auch. Wir wollen nicht immer diskutieren müssen oder beweisen. Aber ich möchte auch nicht mehr soviel Energie verlieren, nur weil andere entweder keinen Bock auf ihre Arbeit haben, Geld sparen wollen oder sie noch glauben, Autisten seien alle doof…

Es ist schade, dass uns allen soviel Energie geraubt wurde und wir so gelitten haben, was nicht sein musste. Leider sind sehr viel Freude, Lockerheit und schöne Erlebnisse verloren gegangen, die wir nun erst nach und nach wieder finden müssen.

Dabei ist es dann nicht hilfreich, wenn die Sonderpädagogin uns schon wieder anschreibt, wir müssten miteinander reden, da sie meint, sie müsste versuchen mit uns doch wieder Kontakt aufzunehmen um Tom zu helfen, damit wir ihr endlich sagen, wie toll sie ist und das sie doch recht hat damit, dass wir Tom zwingen müssen endlich IN ein Schulgebäude zu gehen… . Sie lässt nicht locker.

So haben wir ihr ersteinmal geschrieben, sie soll uns schriftlich bescheinigen, von wem sie was für einen Auftrag erhalten hat uns weiter zu begleiten. Seitdem ist erst noch einmal Ruhe. Aber wie lange?

Wir müssen ja schon bald wieder anfangen alle Unterlagen zusammen zu suchen, zum Psychiater gehen und ein Gutachten erstellen lassen, die Therapeutin was schreiben lassen und seinen Lehrer…, damit wir direkt auf das Schulamt vorbereitet sind. Dort müssen wir ja dann den neuen Antrag auf Ruhen der Schulpflicht stellen, damit er auch das weiterhin das Ruhen der Schulpflicht erhält.

So hoffen wir mal, dass wir alle noch mehr zur Ruhe kommen, bevor die neue Runde beginnt. Auch hoffen wir, dass diese nicht so anstrengend sein wird, wie der letzte Antrag. Gut, dass nun die Uhr für uns läuft. Denn es ist das letzte Jahr, wo Tom vom Schulamt das Ruhen erhalten muss. Danach ist er 18 und benötigt das nicht mehr. Dann ist höchstens die Frage, was sagt das Jugendamt dazu, dass sie die Webschule weiter zahlen sollen? Aber bis dahin ist ja noch Zeit.

Wir sind uns nur jetzt noch sicherer, dass niemand mehr uns so schlecht behandeln darf und uns vorschreibt, was wir machen müssen. Keiner darf unsere Kinder zu Dingen zwingen, die wir als schädlich ansehen. Wir gehen nun unseren Weg. Dabei sind wir ja auch allen solange egal, wie wir kein Geld von ihnen bekommen möchten. Dies zeigt ja sehr deutlich, worum es bei allem am meisten geht,- Geld.

So werden wir sehen, was noch kommt. Wenigstens haben wir wieder die Hoffnung, dass nun alles bald gut läuft und wir in Ruhe gelassen werden.

Willkür der Behörden und Schulen

Heute will ich noch einmal kurz darüber schreiben, wie viele von uns von Behörden schlecht behandelt werden und was dies alles zusätzlich für uns bedeutet.

Angefangen hat es bei uns ja schon im Kindergarten, dort war er „auffällig“ schüchtern, redete kaum und spielte meist alleine. Die Probleme die dadurch entstanden, dass er so viele Kinder, die er nicht einschätzen konnte um sich hatte, kamen auch da schon durch,- er wurde oft krank. Dies setzte sich auch weiter fort in der Grundschule und am Gymnasium. Dort galt immer, „Er ist schlau, also muss er das alles können, dann erziehen sie ihn wohl nicht richtig.“

Keiner wollte uns damals glauben, dass er mit so manchen Dingen Probleme hat und sie doch bitte Rücksicht nehmen sollen. So wurde er gezwungen, vor der Klasse Referate zu halten, in einen anderen Klassenraum zu gehen um eine Arbeit nachzuschreiben oder ohne Taucherbrille zu tauchen….

Da wir damals noch nichts von Asperger wußten und somit auch keine Diagnose hatten, schmetterten uns alle Lehrer entgegen,- „Das muss er aber lernen, da gibt es keine Ausnahme, sie müssen ihn mal ein bisschen herausfordern und ihn nicht so verhätscheln…“!

Auf unsere Vermutung, er könnte Autist sein, bekamen wir zu hören,- wie leider von vielen Menschen – “ Nein, der doch nicht, ich kenne da einen, der ist ganz anders…“! Also wieder Überheblichkeit, die Lehrer wußten das alles besser. Das änderte sich leider auch nicht, als die Diagnose da war und wir an alle Beteiligten Lehrer ein schreiben verteilten, worin wir Ihnen erklärten, mit was Tom Probleme hat, wie sie am besten mit ihm umgehen sollen oder worauf sie doch bitte Rücksicht nehmen möchten.

Auch der bald festgelegte Nachteilsausgleiche, war eher bescheiden, es wurde festgelegt, dass er in einen Nebenraum gehen darf, wenn es ihm zu viel wird, aber wir bemerkten, dass er dies nicht kann, denn wenn es zu viel ist, ist er blockiert und schaltet auf,- „Funktioniermodus“. Antwortet nur mit ja oder garnicht, sitzt still auf seinem Stuhl und ist sehr, sehr unauffällig. Dazu meinten viele Lehrer nur ,“ wenn doch alle Kinder nur so wären“! Na toll, also musst du ein auffälliges Kind haben, damit man uns glaubt, dass er große Probleme hat, dazu muss er auch noch schlechte Noten schreiben und den Unterricht stören… ? Wirklich glauben wollte uns kaum jemand, so bekam er halt auch nicht wirklich die Unterstützung, so konnte die Schule leider nicht mehr klappen.

Also kam es wie es kommen musste, die Schule machte ihn zunehmend krank, es war zu laut, zu viel Neues und immer wieder andere Klassenräume, Kinder, Kurse, Lehrer… . So hatte es keinen Sinn mehr ihn dort weiter hin zu schicken. Zu oft lag er krank, schwach und überfordert hier im Bett. Verständnis bekamen wir da nur von einer jungen Lehrerin, die sich um vieles kümmerte. Sie versuchte, dass Tom auch zuhause noch die Aufgaben aus der Schule von allen wichtigen Fächer erhalten sollte, aber leider hielten sich daran nur wenige Lehrer. Warum sollten auch alle sich die Arbeit machen, wo er sich doch nur mal ein bisschen anstrengen müsste? Viele dachten auch, dass wir Eltern ihn einfach mal noch mehr zwingen müssten, dass würde alles funktionieren.

Also, mit dem Jugendamt Kontakt aufgenommen, denn die sind ja dafür zuständig, das jedes Kind Eingliederungshilfe bekommt. Die erste Anfragen, ob er einen Schulbegleiter bekommen könnte, wurde ohne Zögern direkt vom Tisch geweht. Dies würden sie in dem Alter nicht mehr anfangen und für Asperger Kinder gäbe es ja auch tolle Förderschulen…

Unsere Argumente, dass er normal gut lernen kann, aber die Bedingungen in einem Schulgebäude, insgesamt zu stressig für ihn seien, wurden als nicht wahr dargestellt, denn dies sei ja so nicht bewiesen und sie würden ja viele Asperger Kinder seit Jahren schon betreuen und die wären alle sehr gut auf der Förderschule aufgehoben….

Die zuständige Dame für uns meinte, „Also, entweder ist er in der Lage zu lernen, dann kann er dies auch in einer Regelschule machen oder eben nicht, dann bleibt er halt zuhause und macht nichts…“! „Für etwas anderes seien ja keine Beweise da, Punkt“!

Da glaubten wir noch an das gute in den Menschen vom Amt, aber wurden doch schnell eines anderen belehrt. Nachdem wir es gewagt hatten, nicht die von Ihnen auserkorene Schule für Tom anzunehmen, sondern mittlerweile die Webschule gefunden und als sehr gut geeignet empfunden hatten, begann der Kampf erst richtig.

Das dieser über zwei Jahre anhalten sollte, war uns zum Glück nicht klar, sonst wüßte ich nicht, was wir gemacht hätten. Wohl direkt nach Holland oder Frankreich auswandern.

Es brach eine Flut von, Beschuldigungen, Behauptungen, Unwahrheiten und Vorwürfe über uns ein. Diese wurden uns vor die Füße geworfen, die wir schön nach einander abarbeiten sollten. Wir kamen uns vor wie vor Gericht, wo man als Beschuldigter immer wieder beweisen muss, dass es so nicht ist.

Schlimm war dabei, dass wir immer in der Position waren, wo man uns einfach irgendetwas vor die Füße werfen kann, wir aber keinerlei macht oder Hilfe erhalten dies endgültig zu klären. Deshalb ja auch die kleinen Häppchen, so kann man eine riesige Liste von oben nach unten durchgehen. Wenn Punkt 1 endlich „bewiesen“ ist, schiebt man einfach Nr. 2 hinterher….. . Behauptet, dies müsste so sein, Tom müsste sich mal endlich zusammen reißen, wir Eltern müssten ihn mal loslassen und andere ihn erziehen lassen, das läge bestimmt alles an unserer Erziehung…

Es waren immer schnell sehr persönliche Angriffe da, die uns zwar zeigten, die kennen sich nicht mit Asperger Kindern aus, aber auch, dass sie dies nicht interessierte und einfach neue Behauptungen aufstellten, die Tom und uns allen schadeten.

Schlimm auch, dass niemand etwas gegen das Jugendamt oder Schulamt sagte, es keine Instanz gibt, die denen mal genauer auf die Finger schaut oder gar ein Machtwort spricht.

Anfänglich hatten wir ja noch Hoffnung, dass das Schulamt auf unserer Seite ist und die ganzen mittlerweile erstellten Gutachten gelten lässt. Aber nein, auch die waren uns gegenüber sehr überheblich und setzten noch eins drauf, so das wir ohne Anwalt nicht mehr klar kamen.

Wenn man denkt, das Schul,- oder Jugendamt sei immer bemüht für jedes Kind, die beste beschulung zu finden, der irrt sich gewaltig. Leider sitzen dort vorallem in den oberen Reihen viele gefrustete Menschen, die sich, wodurch auch immer, selber eine Meinung gebildet haben und diese gnadenlos durchziehen.

Kaum jemand von denen hat Tom jeh persönlich kennengelernt oder erlebt, wie es hier ist, wenn er überfordert ist. Niemand interessiert sich wirklich dafür, dass Tom auf Veränderungen, neues oder unvorhergesehenes extrem reagiert und danach schnell körperlich krank wird. Keinen interessierte, dass er die Schulzeit über keine Energie über hatte sondern meist danach müde im Bett verschwand und noch kaum am Familienleben teilgenommen hat.

Stimmt, es ist einfach das wichtigste, dass er IN ein Schulgebäude geht, auch wenn dies bedeutet, dass er dadurch nichts anderes mehr machen kann und traurig im Bett liegt.

Wie kann es sein, dass Menschen an solchen Stellen sitzen und darüber entscheiden, wo Kinder unterrichtet werden, die überhaupt keine Ahnung haben? Schlimmer ist jedoch noch, dass genau diese Menschen noch nicht einmal studierte Psychiater, die sich seit Jahren mit Autisten beschäftigen glauben und diese Gutachten einfach in die Ecke werfen. Wir müssen in Deutschland doch tatsächlich erst alle Auflagen erfüllen, damit wir wenigstens Klagen können. Denn auch ein Gericht, die sich zwar nicht unbedingt anmaßen sich auszukennen, werden eher den Ämtern glauben, die anscheinend mehr Erfahrung und Ahnung haben, als eine Familie. Warum allerdings kaum Gutachten von wirklichen Fachleuten nicht immer anerkannt werden, weiß ich auch nicht.

Auch sind alle schnell dabei, der Familie zu sagen,- „Sie müssen erst einmal alle “ Möglichkeiten der Regelbeschulung „ausgeschöpft werden. Wenn dort dann Unterlagen fehlen, die aus ihrer Sicht eindeutig zeigen, dass keine andere Möglichkeit besteht, dass das Kind unterrichtet werden kann, bekommt man gesagt, dass dies noch probiert werden muss,- also ganz praktisch.

Also angefangen von Diagnose, Gutachten über Einschränkungen, Beschwerden oder Auswirkungen von Stress…. . Wir mussten immer beweisen, dass er zu „krank“ für die Schule ist, aber dennoch nicht so betroffen, dass er in eine Klinik muss um den Autismus zu behandeln. Leider herrscht noch bei vielen Leuten die Meinung vor, dass man Menschen mit Autismus „erziehen“ muss und das man sie „zwingen “ muss besser zu funktionieren, denn SIE müssen lernen sich der Gesellschaft anzupassen. Dabei wird einem einfach erzählt, dass dies die erfolgreichste Möglichkeit für Autisten ist. Es wird nicht akzeptiert, dass dies eine überholte Meinung ist, die früher mal geglaubt wurde. Nein, es ist viel, einfacher alles so auszulegen, wie es für sie einfacher und billiger ist.

Dieses ganze Getue hat nichts damit zu tun, dass alles zum Wohle des Kindes geschieht, denn darum scheint es kaum jemandem zu gehen. Denn sie haben uns nie gebeten Tom kennenzulernen, etwas aus unserem Alltag zu hören oder Psychiatern zu glauben, die der Meinung sind, dass Autisten zu nichts gezwungen werden sollten sondern langsam angeleitet werden die Welt, die sie einfach anders wahrnehmen, zu verstehen.

Nichts wurde akzeptiert, bis aufs letzte, was man einfordern kann, alles von uns erwartet, auch, dass wir alles beweisen, brav machen, was sie sich ausdenken und Ihnen sagen, wie toll sie sind…

Erst als alles erdenkliche ausgeschöpft war und Ihnen klar war, dass nun jedes Gericht für uns entscheiden würde, gaben sie klein bei und genehmigten das Ruhen für ein Jahr. Aber nicht ohne noch einmal klar zu stellen, dass sie doch nur die Gesetze befolgt hätten und wir ja eigentlich im Unrecht seien, dass für Tom bestimmt nicht das beste wär und sie sich doch Sorgen machen und ….bla bla….

Warum solche Personen sich sooooo überheblich benehmen, wissen wir nicht. Bei manchen ist es das Geld, was man nicht zahlen will, bei anderen eine verschobene Vorstellung, was gut sei oder auch, dass es weniger Arbeit macht, da man sich ja um nichts kümmern muss, wenn noch Unterlagen fehlen. Wir werden es wohl nie genau erfahren.

Manch einer hat nicht wirklich etwas über Autismus gelernt oder ist vor 30 Jahren stehen geblieben, wie die Sonderpädagogin, die uns am meisten Kraft gekostet hat. Denn sie hat uns alle ja persönlich kennengelernt und wir haben ihr viel erzählt, was sie, dann plötzlich gegen uns verwendet hat. Dabei sind wir uns nicht sicher, wer wen motiviert hat, das Schulamt die Sonderpädagogin oder umgekehrt. Sehr wahrscheinlich haben die gemerkt, dass sie Ähnliche Ausrichtungen haben und haben sich so gegenseitig unterstützt. Wie ist es sonst zu erklären, dass ein Gutachten unseres Psychiaters weniger zählt, als ein Satz in dem Gutachten von der Sonderpädagogin, die damit ihre Kompetenz überschreitet, wird uns wieder vor die Füße geworfen und wir müssen los und durch eine neue Stellungnahme vom Psychiater alles entkräften lassen.

Leider glauben einem nur sehr wenige Menschen, dass Ämter so handeln. Nur die, die Ähnliches erlebt haben, wissen genau, wovon ich schreibe. Dabei ist es egal aus welchem Bundesland man kommt, in welche Klasse man geht oder was für Diagnosen und Gutachten bestehen…. . Man trifft immer wieder auf Leute, die die Familien einfach schlecht behandeln und so tun, als seien alle, die anders sind „Schwerverbrecher“ denen man sagen muss, was zu tun ist.

Da werden Behauptungen aufgestellt, die Eltern gezwungen, ja still alles über sich ergehen zu lassen, da sie damit drohen Ihnen die Kinder weg zu nehmen. Da werden Mütter immer wieder beschuldigt unter dem Münchhausen Syndrom zu leiden und ihre Kinder absichtlich krank zu machen. Wenn man in eine Familie schaut, findet man oft irgendetwas, was man benutzen kann,- alleinerziehend, Mutter überfordert, Vater zu krank, Münchhausen Syndrom, Kinder verzogen, verwahrlost oder zu hart bestraft… es ist egal, irgendetwas wird meist genommen. Das können die auch einfach so machen, denn denen kann ja keiner etwas, wir hingegen müssen alles wieder beweisen, das dies nicht so ist.

Es ist ein Kampf von David gegen Goliath, wobei mir meist die Steinschleuder fehlte. Niemand sollte hier in Deutschland solch einem Kampf ausgesetzt werden dürfen. Wenn eine Diagnose vorliegt, muss diese direkt akzeptiert werden und auch die Konsequenzen folgen, die für das Kind hilfreich sind. Man kann uns doch nicht so behandeln, als seien wir „pubertierende, lustlose, blaumacher, die mal eben keinen Bock haben auf Schule “ und denen man beibringen muss, was es heißt die Schulpflicht zu erfüllen.

Wie oft mussten wir uns in dieser Zeit aufs tiefste beleidigen lassen, uns anhören, wir seien schlechte Eltern, die ihr Kind ins Unglück stürzen und von nichts eine Ahnung haben… . Wie kann mir jemand so etwas sagen, der weder einen Autisten kennt, noch jemals ein Buch darüber in der Hand hatte oder jemanden in der Familie hat und somit einiges erlebt? Wie können sich Menschen, so sehr über andere stellen und auch nicht bereit sein, neues dazu zu lernen? Wo gibt es die Instanz, die diesem Treiben endlich ein Ende setzt? Was sind das für Politiker, die solche gesetzte machen? Alle müssen einfach auf Biegen und Brechen IN ein Schulgebäude gehen, sonst müssen sie das beweisen und sind so abhängig, von der persönlichen Meinung der Ämter.

Was dies für die Familien bedeutet an, Arbeit, Kraft, Geld, kein Schulabschluss oder Leid, wissen nur die Betroffenen selber. Dafür scheint sich niemand zu interessieren,- so schade

Armes Deutschland

Jugendamt meldet sich

Nachdem wir das Ruhen der Schulpflicht erhalten hatten, war erst einmal große Freude eingetreten. Darauf folgte aber bei uns beiden ein „Tief“ denn der Stress der letzten Jahre konnte nun endlich raus kommen,- was er auch tat. Ich war aber dennoch überrascht, dass nun doch noch so massiv eine ganze Zeit Aufarbeitung und Erholung für Körper, Seele und Geist anlagen. Da wurde uns noch einmal bewußt, wie schwierig diese Zeit so war, wie sehr wir uns ständig überfordert hatten und der Körper ausgelaugt war…

Gut, dass erst einmal Urlaub war und wir ganz aus allem raus kamen. Noch nie haben wir in einem Urlaub so wenig unternommen, sondern waren einfach nur froh, dass alles vorbei war. Wir genossen die Zeit „Faul“ am Strand und versuchten alle Bereiche aufzutanken.

Wieder zuhause, schrieben wir dem Jugendamt in Absprache mit unserem Anwalt nun auch einen Brief. Darin bekamen sie die Mitteilung, dass das Schulamt das Ruhen bewilligt hat und wir sie nun bitten, die weiteren Kosten zu übernehmen. Auch sollten sie die Kosten für die Webschule von den letzten 1 1/2 Jahren auch auf unser Konto überweisen.

Dieser Brief war freundlich, aber direkt und klar formuliert, er sagte unmissverständlich, dass wir nun die Bezahlung erwarten.

Dann hieß es wieder warten. Ein wenig Stress machte sich auch in dieser Zeit wieder breit, Gedanken wie,- wann werden sie wohl antworten, was wollen die dann noch von uns, müssen wir noch neue Gutachten erbringen, noch mehr kämpfen oder beweisen…? Was wenn…?

Wir warteten 2 Wochen, wo keine Reaktion vom Jugendamt kam. Dann rief mein Mann einmal dort an und fragte nach. „Ja, der Antrag liegt schon hier und ist bewilligt, er muss nur noch getippt und unterschrieben werden…“!

Bitte was? Er liegt da rum und wartet darauf, dass ihn irgendwer mal tippt und unterschreibt? Wie lange dies dauert, sagte die Dame nicht, was drin steht, auch nicht. Also weiter warten.

Ich dachte, es kann ja nicht so schwer sein auf einem Amt einen Brief zu tippen, das glaubte ich auch nicht, aber dann würde der doch bestimmt in ein paar Tagen bei uns ankommen…,- nein, es dauerte noch einmal 2 Wochen, bis wir den Brief in Händen halten konnten. Beim öffnen war mir wieder ganz komisch. Heißt,- „bewilligt“ wirklich einfach so, sie zahlen die Schule nun bald? Mit welchen Auflagen? Oder was kam jetzt noch?

Also, öffnen, sonst werde ich es ja nie erfahren… . Erst einmal ein bla bla darüber, wie die letzten 1 1/2 Jahre verlaufen waren und das sie ja auf das Schulamt warten mussten… . Dann konnte ich lesen,- … da nun das Ruhen bewilligt wurde übernehmen wir für das nächste Schuljahr die Kosten der webindividualschule…. . Wow, welch eine Freude. Endlich haben wir auch diese Sicherheit. … „des Weiteren werden wir Ihnen die Kosten der letzten Jahre auch rückwirkend bezahlen…“! Huch, mit soviel Glück, kann man ja kaum umgehen. Ich musste es noch einmal lesen um dies glauben zu können. Hoffentlich haben die sich nicht „vertippt“!

Auch dies habe ich direkt meinem Mann mitgeteilt und dem Rest der Familie, da war Party angesagt. Auch hier jetzt einfach so einen Brief, der alles bewilligt, ohne Auflagen, Anschuldigungen oder Bedingungen. Kaum zu glauben, denn mit dem Jugendamt sind wir ja vor dem Schulamt heftig aneinander geraten und mussten uns die übelsten Dinge anhören. In dieser Zeit wurde allerdings die Mitarbeiterin die uns soviel Ärger gemacht hat,- nennen wir es mal „versetzt“. Die neue ist doch sehr verständnisvoll und bemüht, wir haben diese schon im Zusammenhang mit Toms Therapie, die ja auch immer wieder bewilligt werden muss, sehr nett erlebt.

Wer nun letztendlich die Entscheidung getroffen hat, wissen wir nicht. Wir sind nur froh, dass wir endlich ein Jahr Pause haben. Was uns nächstes Jahr erwartet, wissen wir noch nicht, aber es wird hoffentlich nicht mehr so schlimm. Gut dass Tom dann schon 17 ist und es nur noch um 1 Jahr Schulpflicht geht.

Begreifen können wir die letzten 2 Jahre aber nicht. Wozu musste dies so sein? Wem hat es geholfen, wohl niemandem, aber uns sehr geschadet. Wie lange es dauert, bis wir wieder alle gesund und entspannt durch die Woche gehen können weiß ich nicht. Hoffentlich dauert es nicht bis April, denn dann müssen wir schon wieder den neuen Antrag stellen.

Praktische Tips

Heute will ich mal anhand von einigen Beispielen beschreiben, wie wir unser Leben entspannter gestalten. Die wichtigsten Dinge, die wir in dieser Zeit gelernt haben sind,- Geduld und passt die Dinge euch an.

Geduld ist sehr wichtig, da das Gegenteil, Druck, Hektik und Strafen, meist nur kontraproduktiv wirken. Wenn wir langfristig Fortschritte machen wollen und erleben, dass unsere Kinder entspannt, gerne und freiwillig viele Dinge machen, dann sollten wir es langsam angehen und dabei in kleine Abschnitte aufteilen.

Beispiel, jedes Jahr benötigen die Kinder ja neue Schuhe, sowohl durch die gewachsene Füße als auch der Wechsel von Sommer,- zu Winterschuhen. Dies gestaltete sich bei uns einige Jahre doch sehr schwierig. Es gab Geschrei, Overload’s, Verweigerung die neuen Schuhe anzuziehen, sie wurden in den Müll geworfen oder tagelang geweint, bzw einfach nicht das Haus verlassen… einfach gesagt, – es war für alle Beteiligten nicht schön.

Nach und nach haben wir es dann anders probiert. Wenn es um Schuhe ging, die noch passten, nur saisonal jetzt wieder rausgeholt wurden, habe ich ersteinmal darüber geredet, dass bald die Zeit kommt, wo man wieder dicke Schuhe tragen muss. Dann standen sie im Flur, so das er sie sehen konnte. Als nächstes habe ich ihn gefragt, ob er sie einmal kurz anprobieren kann, damit wir sehen, dass sie noch passen. Nur kurz und dann direkt wieder wegstellen. Auch habe ich Zeit gehabt, ihm zuzuhören, was er zu diesen Schuhen zu sagen hat,- wo der Schuh drückt-. Manche Dinge konnte ich dadurch verändern,- andere Schnürsenkel, die Schuhe putzen oder etwas weiten… . Bei vielem merken, dass sie ihm noch nie „gepasst“ haben, ich die ihm aber einfach aufs Auge gedrückt hatte, weil sie mir gefallen haben oder sie billig waren. Da viel mir auf, wie oft wir Dinge entscheiden, die nicht auf unser Kind in erster Linie ausgerichtet sind, sondern auf uns oder die anderen Mitmenschen, „da man das halt so macht“ oder, weil es alle so machen.

Damit wären wir auch beim zweiten,- alles möglichst so zu machen, wie es für den Autisten gut und passend ist und nicht für mich, die Schule, den Staat oder die Freunde…. warum sollte ich unser Kind dazu zwingen Schuhe zu tragen, die ihn drücken, er als unangenehm empfindet, die so zu viel Energie rauben…, nur weil „alle anderen“ das doch auch so machen? Wenn ich in Ruhe auf unseren jungen höre, was er für Schuhe tragen möchte, ihm Zeit gebe sich passende auszusuchen, ihn dafür vielleicht nicht in einen Laden quäle sondern er online schauen kann und wir dann 3 paar bestellen, damit er hier in Ruhe probieren kann. Wenn ich mich auf ihn, seinen Geschmack, Vorlieben und Gefühle einlasse, klappt es immer besser, als früher. Solche ausgesuchten Schuhe werden dann auch gerne getragen. Dies gilt natürlich genauso auch für alle anderen Bereiche. Kleidung, Essen, Hygiene, Hobbys, Schule, Freunde, Vereine, Feiern …. . Wie gehe ich damit um? Passe ich den Jungen den Menschen an oder darf er die Dinge sich anpassen?

Erwarte ich jeden Tag von Tom, dass er endlich lernt, dass man nicht nur in Trainingshose, aus dem Haus geht oder freue ich mich, dass er nun entspannt das Haus verlassen kann? Auch wenn Nachbarn und Freunde komisch gucken oder doofe Fragen stellen? Er fühlt sich darin wohl, es drückt und kratzt nichts, sie sind immer weich und gleich,- wunderbar. Es gibt sie in kurz und lang und fertig. Nie war Hosenkauf und das tragen so entspannt, wie jetzt. Ob er jemals noch mal andere tragen wird,- wir wissen es nicht. Aber selbst wenn eine Hochzeit oder Beerdigung anliegt, darf er damit gehen. Ich lege keinen Wert darauf „Etikette“ zu bewahren, die Hosen,- dies gilt natürlich auch für den Rest der Kleidung, sollten sauber sein und noch passen, fertig. So einfach kann es sein, wenn er entscheiden darf, was gut für ihn ist und nicht wir ihm was aufs Auge drücken, was wir meinen, dass man das so machen muss. Vor allem nicht, nur weil „die Gesellschaft“ dies so will.

Genauso ist es auch mit dem Kindergarten, der Schule oder der Freizeit… . Ich möchte, dass wir entscheiden dürfen, was gut für unseren Jungen ist und was zu viel,- bzw bei manchen Dingen ist es ok, wenn ein Arzt oder Psychiater bestätigen muss, dass Tom dies überlastet… Nur wenn man über Jahre darum kämpfen muss, dass er nicht mehr endlich lernen MUSS, sich der Schule anzupassen sondern Tom so lernen darf, wie es zu ihm passt. Dies verbraucht leider viel zu viel Energie, die nicht nur sinnlos ist, sondern sogar kontraproduktiv.

Wir Eltern können in Deutschland immer noch nicht über die Art und weiße des Lernens entscheiden. Darüber müssen wir mit Behörden mehr oder weniger kämpfen,- manchmal auch mit Psychologen, Psychiatern und Lehrern…, aber wir können den Rest des Tages entscheiden, wie er leben kann. Die vielen kleinen Dinge, wie Hosen, Schuhe, Hobbys oder Essen …, liegen doch in unserer Hand. Bei alldem sollten wir immer überlegen, warum meine ich, ist dies sooooo wichtig, es genauso zu machen? Was schadet es ihm, wenn er es anders macht? Entstehen dadurch bleibende Schäden oder eher genau andersherum. Schadet es ihm, wenn er es machen muss? Wer oder was ist mir bei der ganzen Sache wirklich wichtiger? Was die Nachbarn denken, die Familie oder mein Kind?

Natürlich kann und muss man bei manchen Dingen auch langfristig überlegen, was es schaden könnte. Nur haben wir leider auch dabei oft nur die Sicht von „Normalos“ und nicht von „Aspis“ im Sinn. Braucht oder will jeder Autist wirklich ständig mit Menschen zusammen sein, die ihn überfordern? Muss man Kirmes, Sportvereine oder Shoppingcenter mögen um glücklich leben zu können? Auch hier haben wir gelernt umzudenken. Heute fragen wir uns mehr,- was wollen wir wirklich? Ja, es ist gut, dass er schwimmen geht, aber er mag keine öffentlichen Freibäder, also haben wir einen Pool in unseren Garten gestellt. Einkaufen kann man auch online oder wir fahren zu Zeiten, wo kaum Menschen in den Geschäften sind. Dabei nehmen wir Rücksicht auf seine Aussagen, wo er zb das Licht zu grell findet oder der Geruch eklig ist… . Wenn wir möchten, dass er mit zum einkaufen fährt, darf er sagen wo wir einkaufen. Er darf auch jederzeit sagen, „jetzt reicht es mir“, dann darf er sofort ohne Diskussion oder fragen, ins Auto gehen oder wir fahren alle sofort zurück. Dies hilft ihm sich zu trauen neues auszuprobieren. Manchmal müssen wir Neues mehrmals ausprobieren, bis es entspannt klappt, aber dies lohnt sich doch.

Also immer die Ausrichtung, wir passen uns ihm an, nicht er ständig uns. Dabei bleiben ja doch auch immer noch genügend Dinge über, wo er sich anpassen muss. Nur jeder Moment, den er einfach entspannt bleiben kann, spart Energie und dies kommt dann doch wieder allen zu gute. Seitdem wir immer mehr streichen von den Sachen, die ihn stressen, hat er endlich wieder Energie über und fängt nun von sich aus an, neues auszuprobieren. Ja, wir passen an so mancher Stelle nicht mehr ins Raster, fallen auf und viele fragen sich,-“ müssten die nicht mal…“? Nein, wir müssen nicht, denn wir leben unsere Leben und du deins. Woher solltest du also besser wissen, was für uns gut und passend ist. Ich möchte dafür sorgen, dass wir auch in Zukunft glücklich und entspannt leben können, dies klappt aber nicht mit ständigem Stress. Wir alle müssen lernen die Welt aus Sicht des anderen zu sehen, da viele aber nicht selber Autisten sind, können sie dies nicht so leicht. Da hilft es dann zuzuhören und Ihnen zu glauben, was sie sagen und dann den Alltag darauf auszurichten und nicht auf,-“ das machen aber doch alle so“!

Wir sind ja (schon) einzigartig, wundervoll und liebenswert, einfach so, so wie jeder ist. Wir müssen nicht umtrainiert werden, lernen uns anzupassen oder wenigstens nicht aufzufallen…..