Urlaub

Immer wieder lese ich von anderen Aspergern, wie anstrengend und aufregend Urlaub für sie ist. So habe ich auch einmal selber über unsere Urlaube nachgedacht.

Als Kind sind wir mit der Familie meist an zwei verschiedene Orte gefahren, Meer oder Berge. Entweder Sylt oder wandern im bayerischen Wald. Mein Vater wollte nicht ins „Ausland“ weit weg fliegen. Da er auch im Urlaub meist seinen Rhythmus beibehielt, waren die Urlaube überschaubar.

Als junge Frau bin ich mit meinem Mann zum Zelten nach Frankreich, später mit Freunden in Ferienwohnungen. Geflogen sind wir auch nicht, aber dies lag mehr am Geld, so dachte ich zumindest.

Als die Kinder kamen, waren Urlaube am Meer in Ferienwohnungen die beste Wahl. So konnten wir leben wie es uns gefiel. Mussten keine anderen Menschen beim Essen ertragen, uns an keine Zeiten halten oder groß Rücksicht nehmen. Auch wollten unsere Kinder nie zu solchen Animationsveranstaltungen, sondern lieber in Ruhe ihr Ding machen.

Wir alle empfanden so die Urlaube sehr angenehm. Auch die Nähe zum Meer war wunderbar, dort Baden gehen, abends noch eine Runde am Strand laufen oder nachts in Geburtstage hinein feiern…, alles wunderbar.

Im Laufe der Zeit, wollte der ein oder andere nicht mehr mit, damals war es uns noch nicht klar warum. Ja, als Teenie mag man dies vielleicht nicht mehr so, aber es gab noch andere Gründe, die wir aber noch nicht wußten.

Veränderung, viel neues, zu viele Menschen auf engem Raum, „Gruppenzwang“ Ausflüge oder Aktionen mit machen zu müssen, nicht die gewohnte Umgebung und Rhythmus…

Seit wir vom Asperger Syndrom wissen und wir verstehen, warum wir in so vielen Situationen anders reagieren, gehen wir offener damit um, aber dadurch merken wir auch, was uns alles stresst. Wir sind nicht mehr so bereit, Stress auch im Urlaub zu erleben, sondern dort soll ja Erholung sein. So mussten wir erst neu lernen, wie man dennoch wegfahren kann und gemeinsam eine gute Zeit verbringt.

Nun fahren wir meist mit unserem Auto ans Meer, wo man noch gut in 6-8 Stunden Fahrzeit hinkommen kann. Ich suche Ferienwohnungen, wo genügend Platz ist, damit man höchstens zu zweit in einem Schlafzimmer sein muss und so sich etwas aus dem Weg gehen kann. Gut ist es, wenn man zu Fuß zum Strand kommen kann und auch in Geschäfte. So kann jeder sich frei bewegen und dann zum Strand oder die City, wenn es ihm gefällt und es gut ist.

Ausflüge kündigen wir immer einen Tag vorher an, sie sind Angebote, die jeder frei wählen kann. Keiner ist mehr böse, wenn einer kaum die Wohnung verlässt. Da wir alle gerne Brettspiele spielen, können wir so gemeinsam schöne Stunden verbringen. Wir sitzen zusammen, Grillen, reden oder schauen auch mal einen Film. Aber außerhalb der Wohnung entscheidet jeder selber, wann er was wie lange mitmachen möchte. Dies hat sich sehr bewehrt und so fahren meist immer noch alle gerne mit.

Für mich und Tom ist es auch noch wichtig, dass wir im Vorfeld die Wohnung und die Umgebung möglichst genau kennen. Dies mache ich, indem ich mit Google Earth die Straßen abfahre und so schonmal einen guten Eindruck von der Gegend bekomme. Eine Wohnungen buche ich nur, wenn ich von ihr genügend Fotos sehen kann. Ich will mir die Räumlichkeiten gut vorstellen können und wissen, ob wir uns alle dort wohlfühlen werden.

Auch kann jeder sein Kissen oder Decke mitnehmen und einige wichtige Dinge, ohne die man nicht sein möchte. Ich mache früh genug Listen, was alles mit muss und packe schon 1-2 Wochen vorher nach und nach alles zusammen. Denn ich weiß, kurz vor Abfahrt, bin ich und manches Kind doch so aufgeregt, dass uns dann das packen nur unnötig stresst. Wir packen auch soviel essen ein, dass wir den ersten Tag nicht direkt noch einkaufen müssen, sondern erst einmal langsam dort ankommen. Für mich findet meist der erste Tag auch nur in der Wohnung statt, ich brauche Zeit. Dann kann ich mit meinem Mann zusammen die Gegend erkunden. Er ist für mich auch im Urlaub eine wichtige Sicherheit. An ihm kann ich mich orientieren. Wenn ich sehe, dass es ihm gut geht, kann ich locker bleiben. So konnte ich auch mit nach London oder Paris Ausflüge machen. Er redet mit Menschen, wenn fragen sind, führt uns durch die U-Bahn oder sucht den Weg… . Ohne ihn, würde ich in keine größere Stadt fahren.

Aber es ist auch ok, wenn ich oder die Kinder zu solchen Ausflügen nicht mit kommen. Jeder weiß mittlerweile, dass es nicht immer ohne Stress möglich ist. Aber bis dahin, war es ein Weg, den wir alle lernen mussten. Aber auch hier gilt, wollen wir, dass alle einen schönen Urlaub erleben, entspannt zurück kommen und sagen, “ das war toll“ oder ist es auch hier wichtiger, dass wir so Urlaub machen, “ wie die meisten ihn machen“?

Wir wollen nun möglichst immer so leben, dass es uns gut geht, dass wir entspannt sind und uns wohl fühlen. Dann ist es aber nicht immer so, wie andere dies meinen oder machen. Wir müssen nicht jeden Tag wer weiß was erleben, ansehen, unternehmen. Nein, wir müssen auch nicht unbedingt jeden Tag alle ins Meer, obwohl wir nicht weit weg sind. Vorallem müssen wir aber nicht vor 10 frühstücken und vor 12 ins Bett. Aber auch nicht zwanghaft es anders machen. Wir machen es so, wie es uns gefällt und gerade passt.

Wer will denn auch hier noch entscheiden, dass man soooo aber doch keinen Urlaub machen kann. Das Tom doch wenigstens dort mal mit zum einkaufen gehen muss und unbedingt mit dem Verkäufer reden muss, damit er das endlich lernt… .

Wir haben unsere Art gefunden, wie wir eine schöne Zeit mit einander verbringen können. Die haben wir auch immer mehr im Alltag erlebt. Aber da wird uns ja leider immer noch zuviel von außen gesagt, dass wir es anders machen müssen. Nur im Urlaub lassen wir uns nicht auch noch rein reden, sondern genießen möglichst diese Zeit.

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Zuviel am Wochenende?

Ein schönes Wochenende mit der Familie, Pool gehen, Grillen, Spaß haben…und dann wieder platt sein,- warum nur?

Aber von vorne.

Freitag kommen alle Kinder fürs gemeinsame Wochenende. Das Wetter heiß, die Stimmung gut. Wir gehen in den Pool, spielen zusammen, reden, Grillen… Tom spielt mit dem Freund der Tochter bis morgens um 2 an der Wii, Autorennen und hat mächtig Spaß dabei. Samstag kann man ja lange ausschlafen,- macht Tom aber nicht. Samstag geht es ähnlich zur Sache, Sonntag auch. Abends noch Fußball geschaut und danach ging es steil Berg ab. Nachts stand Tom dann wieder einmal bei uns im Zimmer mit Bauchweh und Überforderung.

Dies tut uns so leid, was sollen wir dagegen nur tun? Wie ihm helfen, dass alles noch besser wird? Montag keine Schule möglich, liegt platt in seinem Bett und bekommt die Augen kaum auf. Kann sich auch so garnicht konzentrieren, also lass ich ihn schlafen.

Da sind sie wieder, die Fragen nach, machen wir das richtig? Müssten wir ihn mehr zwingen? Ihm solch schöne Wochenenden ersparen, nächtliches spielen verbieten, einen engen Plan einhalten, damit er Montags wieder Schule machen kann? So stehen immer wieder Spaß dem lernen gegenüber.

Wieviel ist welche Seite wert? Was wirklich wichtiger? Wird so alles besser oder schlechter? Ist es so richtig oder falsch? Wer darf dies beurteilen oder bestimmen? Wie lange dürfen wir dies ausprobieren, was kurz- und langfristig besser und erfolgreicher ist? Woran fest machen, was besser ist? An seiner Verfassung ( Gesundheit ), seinen Lernerfolgen oder seiner Stimmung?

Wenn wir an früher denken, da ist er in die Schule, ist dort meist nicht negativ aufgefallen, schrieb gute Noten, aber war ständig krank, hatte kein Selbstwertgefühl und Freude, keine Energie um noch neben der Schule irgendetwas machen zu können. Er traf sich nicht mit seinem Freund, war nicht mehr dabei, wenn seine Geschwister, Freunde oder Verwandte kamen. War sehr oft traurig und niedergeschlagen, fast nur alleine in seinem Zimmer. Aber, er ging IN eine Schule und so erzählt sich jeder, dies war besser und wohl auch erfolgreicher, da er so ja auch einen guten Schulabschluss machen wird.

Nur, besteht unser Leben hauptsächlich aus einem „normal“ erworbenem Schulabschluss? Zählt dies mehr, als ein Abschluss den ich extern geschafft habe, aber bis dahin entspannt und glücklich durch die Wochen ging? Wer legt denn fest, was noch möglich ist? Wer sieht denn, wie Tom sich innerlich fühlt? Wer fragt danach, was er neben der Schule noch so macht? Wer, was er selber von seinem Leben hält, wie er es empfindet, dass er ständig überfordert wird und oft keinen Ausweg sieht?

Aber nur, wenn wir wirklich alles versuchen zu erkennen und verstehen, was Tom empfindet, denkt und fühlt, können wir auch richtig entscheiden, ob es so oder doch besser anders gemacht werden sollte.

Wer kann aber diese Entscheidung treffen? Das Jugendamt, welches weder Tom kennt, noch sich die Mühe macht, mehr über ihn zu erfahren. Die interessieren sich leider mehr fürs Geld, bzw dafür, dass sie wenig zahlen müssen. Das Schulamt will ihn in der Schulpflicht behalten, denn so bekommen auch sie Gelder. Lehrer der Regelschule, wo Tom ein Kind unter vielen ist und meist nicht auffällig war, sondern still in der Ecke saß? Psychiater oder Psychologen, die sich nicht mit Autismus gut auskennen oder immer noch glauben, dass man denen mit Druck beibringen muss sich der Gesellschaft anzupassen? Können Freunde, Bekannte oder gar Nachbarn beurteilen, was möglich ist, ob er sich nur anstellt oder wir Eltern ihn schlecht erziehen?

Ich denke, alle dürfen etwas dazu sagen, eine Meinung haben und diese auch äußern, aber es gibt nur 3 Menschen, die Tom min. 90% von seinem Leben erlebt haben und erleben,- wir Eltern und Tom. Aber genau wir, sollen am wenigsten wissen und entscheiden können? Ich denke schon seit 40 Jahren über mich nach, suche nach einem Weg, wie ich „normal“ sein kann und alles schaffe, was normalos so machen, habe versucht alles zu lernen, mich dabei oft verausgabt und in Kauf genommen, dass es nach außen gut aussah, aber in mir schrecklich war. Ich interessiere mich seit über 30 Jahren für Medizin und Psychologie, lese seit Jahren alles darüber, was mir in die Finger kommt und lerne dazu, verändere mich… . Aber ich weiß nichts über Asperger? Wir, die Tom von Anfang an geliebt haben, von klein auf erlebt, ihn begleitet, ihm geholfen, ihn unterstützt, ermutigt…, sollen doch eher diejenige sein, warum er nun nicht genügend Energie hat, IN eine Schule zu gehen? Wir, die ihn jeden Tag erleben, jede Reaktion deuten können, Zusammenhänge kennen, merken, wenn die Energie schwindet, wodurch sie zurück kommt und wie glücklich und entspannt er ist, wenn er keinen Stress hat- wir sollen ihm schlechtes antun, weil er zu wenig lernt?

Aber was lernt er denn nicht? Wenn dann doch nur vorgegebenen Schulstoff. Das er aber jeden Tag seit Jahren sich kennen und lieben lernt, sieht keiner. Das er nun ein fröhlicher junge ist, der wieder Hoffnung hat, dass das Leben auch für ihn schön sein kann und soll. Der wieder gerne mit uns zusammen Wochenenden und Urlaube verbringt, der wieder Ideen hat und nach und nach auch so manches ausprobieren möchte, auch nicht. Er ist nun nicht mehr der kleine, der nach außen funktioniert und nach innen kaputt ist, sonder jetzt ist es genau anders herum. Er ist ein starker junger Mann, der innerlich immer mehr zur Ruhe kommt, lernt zu sagen, wenn es zuviel ist und der sich und sein Leben mag,- aber nicht mehr einfach alles mitmacht, sondern seine Energie so einteilt, dass er Freude hat, aber nach außen nicht mehr gut funktioniert.

Nun noch einmal die Frage, hätten wir ihn am Wochenende um 23 Uhr ins Bett schicken sollen? Den Geschwistern sagen, dass sie ihn alleine lassen sollen, besser nicht kommen, wir nicht Grillen oder Spaß haben…? Damit er Montags dann auf jeden Fall wenigstens die Webschule machen kann, wenn ja schon keine Regelschule möglich ist? Müssen wir ständig ein schlechtes Gewissen haben, weil er nicht funktioniert, wie die Gesellschaft das gerne hätte? Müssen wir uns ständig rechtfertigen oder ihm allen Spaß verbieten, wenn er nicht mehr Leistung bringt? Muss er erst „normal“ sein und normale Leistung erbringen, damit er sich freuen darf? Nur dann kommt es ja nie dazu.

Wer kann und darf dies beurteilen und entscheiden? Wir Eltern, die ihr Kind lieben und dafür sorgen wollen, dass es ihm langfristig gut geht oder Außenstehende, die eher über eine Sache entscheiden, die in die Gesellschaft passen muss?

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir Tom sein Leben lang mit versorgen können, ohne vom Staat viel Geld dazu zu bekommen. Wir zahlen, wenn es sein muss die Webschule selber, schauen, ob wir ein Gymnasium finden, wo er das Abi danach noch machen kann,- möglichst auch online und sehen dann, was für eine Ausbildung möglich ist. Wenn er ohne zuviel Stress keine machen kann, macht er halt keine, na und?

Wir haben es so erlebt, dass mehr möglich ist, wenn er weniger Druck hat und bestimmt auch, wenn er mehr Freude hat.

Das Wochenende hat sich doch gelohnt,- Tom hatte viel Spaß, verbrachte viel Zeit mit uns allen und hat so gelernt, wie gut es tut, mit anderen zusammen tolle Dinge zu erleben.

Ist das nicht mehr wert, als ein Montag mit lernen? Wir denken ja. Vor allem auch langfristig. Niemand kann Leistung erbringen, wenn er innerlich kaputt ist, krank oder keine schönen Dinge erlebt. Ein Leben im funktionierstatus wird früher oder später scheitern. Dies sehe ich leider bei so manchem um mich herum und dies macht uns doch sehr traurig und nachdenklich.

So will ich noch mehr lernen, was wirklich wichtig ist im Leben. Das wir uns selber lieben, und uns geliebt fühlen, gesund sind und so die Energie haben, auch etwas machen zu können, auch für andere. Aber dies ist eine andere Ausrichtung, eine andere Prioritätenliste ein anderes Ziel, welches wir nun vor Augen haben. Wir hoffen, dass wir selber entscheiden dürfe, wie es richtig ist und das alle anderen dies auch können. Schön wäre es, wenn der Staat uns dabei unterstützt, denn so kann sich jeder am entspanntesten positiv entwickeln und auch für die Gesellschaft etwas „Leisten“.

Weniger ist meist mehr…

Immer wieder erleben wir, dass uns Menschen zwingen wollen, mehr zu machen. Sie glauben, dass nur so gesichert ist, dass wir bald auch mehr können.

Es gibt verschiedene Bereiche, wo es ganz schwierig ist, denn unsere Probleme sind ja nicht mal eben heilbar. Wir können es nicht mal eben erlernen, was Menschen wollen, nicht gestresst sein, wenn etwas unvorhergesehenes geschieht, keinen Overload bekommen, nur, weil dies für alle anderen nicht zu viel ist oder kratzige Stoffe auf unserer Haut ertragen, weil man uns sagt, das ist ganz weich….

Dies ist, als würde man einem Blinden sagen, nun schau noch einmal genau hin, du musst das doch sehen können. Streng dich mal ein bisschen mehr an…

Ich selber habe es als Kind und Jugendliche so erlebt, ich musste in die Schule gehen, war dort durch so viele Reize oft überfordert durch ständige Veränderungen und komisches Verhalten von anderen Kindern verwirrt so konnte mich dann schlecht konzentrieren. Dadurch habe ich so manches nicht verstanden oder in arbeiten nicht aufs Papier gebracht. Ja, dadurch habe ich meine Abiklausuren so versemmelt, das ich es nicht schaffte.

Immer wieder bekam ich vermittelt, dass ich falsch sei, mich nur anstelle, dass niemand damit Probleme haben kann, dass jeder in die Schule muss und später auch arbeiten…. meine innere Ausrichtung war dann auch so, dass ich versucht habe mich anzupassen, alles zu können. Ich habe geglaubt, dass ich schlecht bin und mich so keiner mögen kann. Über Jahre versuchte ich immer wieder, alles zu erfüllen, was mir die Gesellschaft so vorgab und da gab es einiges. Immer war der Druck da, die Angst, es nicht schaffen zu können, noch mehr machen zu müssen…

Für jedes Alter gab es Vorgaben, die zu erfüllen waren. Schule, Vereine und in der Familie aktiv mitmachen. Später kamen die Freunde, die auf Partys wollten oder Ausflüge unternahmen. Als Hausfrau muss man ein top gepflegtes Heim haben, den Garten für schöner wohnen herrichten und als Mutter, gesund kochen, mit den kleinen auf Spielplätze gehen, zum Sport und in Krabbelkreise…, immer nett und Adrett sein…

Natürlich muss man die Dinge von früher ja auch weiterhin noch erledigen, aber das kann ja auch jeder und ist sogar noch froh, wenn er am Wochenende noch auf eine Feier darf oder die Nacht in einer Disco verbringen….

Dabei habe ich mich nie gefragt, wie schaffen die das nur alle, sondern immer nur,- wie bekomme ich das denn hin, warum stelle ich mich nur so an, dass muss ich doch auch können…

Leider habe ich dieses Muster auch an unsere Kinder weiter gegeben. Jeder muss das alles können, wir haben es eben etwas schwerer, weil wir „Weicheier „sind. Ich habe ihnen wenigstens die Zugeständnisse gemacht, dass sie sich nach der Schule ausruhen dürfen und ihre Freizeit so verbringen, wie es gut für sie ist. Hier mussten sie nicht funktionieren, mussten nicht noch in Vereine oder andere Kinder besuchen. Aber die Ausrichtung, wir müssen uns möglichst anpassen, in eine Schule gehen, nicht auffallen…die war immer da.

Die großen haben das auch noch so hinbekommen, Tom aber nicht, denn er wird bei zu viel Veränderung oder Stress immer krank. Sein Körper fordert Erholung ein. Desto mehr Veränderung oder unvorhergesehenes in der Schule vorkam, desto länger brauchte er Erholung davon. Leider wuchs auch die Angst, eigentlich zu kaputt zu sein, aber dennoch zu müssen. Wir als Eltern waren immer wieder in dem Zwiespalt, dass die Kinder doch gehen müssen um nicht zuviel zu verpassen und genügend Zeit haben, sich zu erholen. Bei Tom ging dies aber irgendwann nicht mehr, da war er mehr krank zuhause, als in der Schule. Es musste also eine andere Lösung her, nur welche?

Schnell erzählten uns verschiedene Leute, dass er so sein darf, wie er ist, dass sie traurig wären, wenn es ihm nicht gut geht, dass er solange zuhause bleiben soll, bis er wieder gehen möchte, dass man die Lösung sucht, bei der es ihm wirklich gut geht…

Aber eigentlich meinten die meisten nur, er muss jetzt aber lernen, sich unserer Gesellschaft anzupassen. Er muss doch wieder in die Schule gehen, mit Menschen klar kommen, sich integrieren, bald einen Beruf erlernen…

Über die zwei Jahre haben wir immer mehr erkennen müssen, das wir ähnliches sagen, vielleicht auch manchen, auf den ersten Blick auch einer Meinung sind, aber dennoch sehr große Unterschiede auf dem Weg zum Ziel haben.

Wir haben im Laufe der Zeit gelernt, dass Tom mehr machen kann, wenn wir ihm die Freiheit geben, dass er bestimmen darf, was möglich ist. Wenn er wieder lernt, dass wir ihm glauben, wenn er sagt, dass es reicht und ihm nicht böse sind, kann er dann ausprobieren, wieviel möglich ist.

Ja er braucht Hilfe beim ausprobieren, er braucht uns, die ihm sagen, dass er doch heute einmal es versucht mit zum einkaufen zu fahren, ein neues Spiel zu spielen oder etwas Neues zu essen. Nur wie schaffen wir es schneller, mehr und langfristig besser, dass er ein selbstständiges Leben führen kann. In dem er glücklich, ausgeglichen und zufrieden ist. Mit Druck, strengen Regeln, wann was gemacht werden muss? Dadurch, dass wir ihm sagen, er muss das lernen in eine Klasse zu gehen und sich dort wohl zu fühlen. Lernt er es besser, wenn wir ihn weiterhin jeden Tag dort hin schicken und darauf hoffen, dass er sich daran gewöhnt?

Wir glauben nicht, denn dies haben wir ja schon 8 Jahre so versucht,- leider ohne Erfolg, bzw mit dem Ergebnis, das er immer trauriger, kränker und in sich gekehrt wurde. Nun wollen wir es anders machen, aber um uns herum sind doch viel mehr Menschen, die glauben, dass ohne Druck und Zwang nur alles schlimmer wird und die Kinder bald garnichts mehr machen, er depressiv wird und ein trauriges Leben lebt…

Nun standen wir da, hatten für uns die Erfahrung gemacht, dass wir alle mehr machen können, wenn wir sicher sind, dass wir entscheiden dürfen. Tom war so krank, dass er ersteinmal sehr viel Ruhe brauchte. Wir mussten ihm die Zeit geben, dass er sich sicher sein konnte, wir schicken ihn nicht in eine Schule zurück, solange ihn diese überfordert. Für uns war klar, entweder er lernt die Menschen und Situationen soweit kennen, dass er stressfrei hingehen kann oder er geht noch nicht. Wir glaubten auch, dass er erst Ruhe braucht, um überhaupt genügend Energie zu haben sich an neues heran zu wagen, dann kann er mit unserer Hilfe sich langsam heran trauen und es nach und nach lernen. Ob dies aber auch noch für das besuchen einer Schule klappt, wußten wir nicht, denn er war ja offiziell schon in Klasse 9. Für uns ist dies aber auch kein Problem, bzw nicht das erste Ziel, dass er unbedingt schnell IN eine Schule geht. Wir denken langfristig.

Genau da wurde uns wieder klar, wie unterschiedlich wir an diese Aufgabe heran gehen. Wo leider viele glauben, er muss in die Schule gehen und dadurch lernen, dass das alles nicht schlimm ist. Er muss seine Ängste durch ständige Konfrontation verlieren, muss erkennen, dass er lernen muss sich der Gesellschaft in der er lebt, anzupassen. Er muss sich ändern und zwar schnell… da glauben wir, dass er Zeit braucht um ersteinmal zur Ruhe zu kommen und Energie über zu haben. Das er mehr lernt, wie die meisten Menschen ticken, wenn er in Ruhe sie mit Distanz beobachten kann, wir ihm alles erklären und ihr Verhalten einüben. Wir ihm die Zeit geben, die er braucht, ihn etwas herausfordern, ihm neues zeigen, ihn bitten es auszuprobieren, ihn aber eben nicht zwingen es jetzt zu tun, sondern warten, bis er es interessant findet und es selber ausprobieren will.

Ja, dies ist eine Gratwanderung, zwischen zu viel und zu wenig, aber dabei geht es ihm immer gut. Er kann lernen, sich mehr zuzutrauen, da er ja weiß, er kann jederzeit auch nein sagen, ohne Diskussion oder das wir ihm böse sind. So gewinnt er immer mehr die Sicherheit, dass alles gut ist oder wieder wird, wenn er mal gestresst ist.

Aber, wir müssen Geduld haben, es ertragen, wenn er mal eine Woche nichts neues lernen will oder wenn er wieder krank wird und ersteinmal garnichts machen möchte. Genau dann heißt es doch ihm zu zeigen, dass wir es ernst meinen mit,“ wir lieben dich immer gleich viel, egal was du leistest“!

Wir haben die letzten zwei Jahre immer mehr die Erfahrung gemacht, dass es für alle effektiver und entspannter ist, wenn wir mit seinem Tempo gehen und ihn dabei führen. Wie lernt man laufen oder sprechen? Indem das Kind von sich aus es möchte und wir ihm Hilfestellung geben. Es geht nicht wirklich schneller, wenn wir sie zwingen. Aber wenn Kinder von sich aus wollen, lernen sie es freier, mit Freude, weniger Energieverbrauch und fürs Leben. Dies wußte auch schon Dr. Montessori. Heute gibt es zb mit dem AuJa Verein noch Menschen, die mit dieser Art in die Welt von Autisten eindringen und so ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihnen aufbauen. So helfen Sie Ihnen mit uns in Kontakt zu treten, was die meisten Autisten auch gerne möchten. Nur mit Druck, zwang und Vorgaben, die sie nicht verstehen, lernen sie vielleicht manches zu zeigen, was sie wollen, aber Freude und ein wirklicher Austausch geschieht so meist nicht.

Über das Thema, „wir kommen in eure Welt“ schreibe ich ein anderes mal noch mehr.

Alle wundern sich

Gut, dass wir einen Anwalt haben, der sich auskennt und uns direkt einmal etwas beruhigte. Er meinte, das die Dame doch ihre Kompetenz sehr überschritten hat, er dies aber so kennt, da er schon öfters solche übermotivierten Leuten erlebt hat, die dann von der anderen Seite vom Pferd fallen. Wir sollten dies nicht überbewerten, aber es könnte natürlich dazu führen, dass dies das Schulamt zum Anlass nimmt, eine nächste Runde einzuläuten.

Da das Schulamt ja von Anfang an nicht wollte, dass Tom von der Schulpflicht freigestellt wird, könnte dies nun ein guter Grund sein, dass sie dies zum Anlass nehmen das dies noch einmal genauer geprüft werden muss. Leider musste er uns auch sagen, dass wenn Tom in eine Klinik und Tagesklinik geht, diese Maßnahme dann Vorrang vor der Webschule hat. Entscheiden kann dies aber weder eine Sonderpädagogin noch das Schulamt. Nur können die uns zwingen, dass wir dies durch eine Uniklinik oder Amtsarzt abklären lassen müssen.

So nutzten wir es, dass wir sowieso einen Termin für die nächste Krankschreibung hatten, um den Psychiater zu bitten, dass er uns noch eine Stellungnahme darüber schreibt, ob es gut ist, das unser Sohn in eine Klinik und Tagesklinik geht. Er fiel aus allen Wolken und meinte nur, “ was machen die nur bei Ihnen, die müssen doch mal langsam Einsehen, dass sie nicht ums zahlen herum kommen“! Er sagte uns zu, dass er noch einmal etwas schreibt.

2 Tage später hielten wir die Stellungnahme schon in Händen und auch der Anwalt meinte, diese sei sehr gut. Wir füllten die Elternerklärung auf dem Zettel aus, dass wir nicht mit allem so einverstanden sind und schrieben noch einen Brief dazu, in dem wir erwähnten, dass wir es nicht gut finden, nur die letzten 3 Seiten vom Gutachten bekommen zu haben. Das wir auch so nur zu diesen Zeilen Stellung nehmen können und nicht mit der Ansicht der Pädagogin einverstanden sind, das Tom unbedingt in eine Klinik muss. Alles Pakten wir zusammen in einen Brief, der dann zum Schulamt geschickt wurde.

Nun hieß es warten. Wie lange, worauf, warum…wir wußten es nicht. Immer wieder in der Position, dass wir da sitzen und darauf warten, dass die uns was vor die Füße werfen, was wir dann ganz schnell erfüllen müssen. Wo wir wieder beweisen müssen, Gutachten liefern oder Untersuchungen über uns ergehen lassen…. so sind wir ja seit über 2 Jahren auf dem Weg.

Es war aber auch die Zeit, in der wir darüber nachdachten, warum alles so schwierig verläuft. Warum die Gesellschaft so viel mehr wert auf “ Funktionieren“ legt, als auf gesunde glückliche Menschen. Warum nur, müssen alle gleich sein und unter Menschen viel leisten?

Warum glauben so viele, dass wenn man die Menschen nicht zwingt in eine Schule zu gehen, sie nie lernen im Leben klar zu kommen. Wir haben es aber genau anders erlebt. Seit wir Tom die Freiheit geben, die er braucht, seit er genügend Erholung hat und nicht ständig von Reizen überflutet ist, blüht er auf und will dann mehr machen. Nur dann hat er aber auch die Möglichkeit sich neuem oder Menschen auszusetzen. Nur so hat er die Energie dafür, die er benötigt.

Weniger ist hier auf jedenfall mehr.

Noch haben wir nicht die Möglichkeit selber zu entscheiden, was das beste ist, denn es gibt ja in Deutschland ein sehr strenges Schulgesetz und die Behörden nutzen dies gerne für ihre Zwecke aus. Die Kinder werden meist über Monate oder Jahre daran gehindert, das zu tun, was für sie das beste ist, sondern das, was das bequemste oder preiswerteste ist. Erst wenn die Kinder 18 sind und man keine Hilfe vom Staat benötigt, kann man sein Leben so gestalten, wie man es für am besten erachtet.

Ich hoffe wir halten nervlich und finanziell solange noch durch oder werden irgendwann einfach in Ruhe gelassen. Jetzt sitzen wir aber erst einmal wieder hier und warten.

Abschlussgespräch mit schlimmen Überraschungen

Sie hatte sich vom 2 Termin freundlich verabschiedet und gemeint, dass sie so in 1-2 Wochen zum Abschlussgespräch kommen würde. Es wäre ja alles nun klar und sie sieht kein Problem dass Tom nicht den Förderbedarf bescheinigt bekommt. Wir sollten uns keine Sorgen machen, alles wäre klar und gut. Schön, dachten wir.

So verbrachten wir auch wieder die Zeit um uns zu entspannen, glaubten, dass nun endlich das schlimmste hinter uns lag und das wir dann vom Schulamt endlich auch die Bestätigung bekommen, das Förderbedarf besteht. Damit können wir dann beantragen, das das Schulamt ihn,- zumindest für einige Zeit, von der Schulpflicht befreit. Auch können wir dann mit dem AOSF Gutachten vom Jugendamt die Kosten für die Webschule zurückerstattet bekommen und auch weiter Geld für die Schule erhalten.

Alles erschien so gut und es stellte sich große Erleichterung ein. Nur leider währte die nicht lange…

Die Sonderpädagogin meldete sich bei uns für das letzte treffen, da mein Mann an diesem Termin keine Zeit hatte, sie aber meinte, es dauert ja nicht lange, ist ja alles klar…, entschieden wir uns, dass ich alleine mit ihr rede. Tom brauchte auch nicht dabei sein, so blieb er auch entspannt.

Sie kam also wie vereinbart, war freundlich und meinte, “ ja, das bekommen wir doch jetzt mal eben noch so hin…“! “ Sie müssen dann nachher noch diesen Zettel ausfüllen und bestätigen, dass sie mit dem Gutachten so einverstanden sind, ob sie noch ein Treffen wünschen und noch Fragen bestehen…, dann schicken sie dies an das Schulamt“! Sie fing dann an mir zu erklären, was sie alles in das Gutachten mit einbezogen hat, da wären die Treffen mit uns und unsere Meinung. Die ganzen schriftlichen Dinge, die sie von uns hat, das Gespräch mit seinem Lehrer von der Webschule, der neue Lehrnstandsbericht, ein Gespräch mit seiner Therapeutin und die ganzen Unterlagen, die mit eingereicht worden sind. Also normal auch die Stellungnahmen, von unserem Psychiater, vom Autismuszentrum und von der alten Regelschule.

Es kam schon der erste Dämpfer, wir bekommen von ihrem Gutachten nur die letzten 3 Seiten, die Zusammenfassung. Bitte was? Warum das denn? Darauf meinte sie,- “ aus Datenschutz gründen“! Ja ist klar, es geht um unseren Sohn und wir müssen geschützt werden? Oder wollen die die ganzen Beteiligten schützen, was die zu unserem Sohn gesagt haben? Oder wen?

Wie sollen wir einem Gutachten zustimmen, dass wir nicht kennen? Woher soll ich wissen, was dort drin steht, wie sie zu ihrem Ergebnis kommt und wer welche Meinung von uns hat…? Dies hatte mich schon einmal geschockt. Aber gut, wenn wir einer Meinung sind und dies auch auf den drei Seiten so steht, wird der Rest ja wohl, auch gut sein.

Nun fing sie an mir zu erzählen, mit welch großer Angst Tom doch immer durch den Tag geht, dass man ihm helfen muss, dass er lernt die Ängste zu verlieren,- naja, so extrem sehen wir das alles nicht, aber helfen wollen wir uns oder besser ihm ja,- deshalb machen wir das ja alles…- er bräuchte bessere Hilfe, Profis die ihm zeigen, wie alles funktioniert, die ihn noch einmal herausfordern und den Kreislauf durchbrechen, in dem er seit Jahren sitzt… . Bitte was, was will die mir jetzt da sagen? Wie kommt die darauf, dass er jemanden braucht, der ihn wieder auf „Spur“ bringt? Dann platzte die Bombe –

“ Ja eigentlich wollte ich das ja erst später sagen, aber ich denke, er muss mal für ein paar Wochen in eine Klinik und danach in eine Tagesklinik,- so 200 km von hier ist eine sooo tolle…“! Das ich nicht vom Stuhl gefallen bin, war alles. Ich saß wohl so geschockt da, dass sie nur noch meinte, “ Ich will Ihnen doch nur gut, dann haben sie endlich wieder Zeit zum durchatmen, sie können ja die Last auch nicht die ganze Zeit alleine tragen und sich Vorwürfe machen, sie seien schuld, sie hätten besser… machen müssen“! “ und Tom braucht jemanden, der ihn noch einmal ganz klar aus seinem tief heraus holt, den Kreislauf durchbricht, so das er dann bald wieder in der Lage ist in eine Regelschule zu gehen“. „Er muss endlich lernen, dass er sich den Aufgaben stellen muss, dass vermeiden von Situationen keine Lösung ist und er in die Gesellschaft MUSS „! Bums, dass saß!!!

Wow, dass nennt sich dann,- wir sind einer Meinung? Wo das denn? Damit hat sie uns nur gezeigt, dass auch sie ganz anders denkt, als wir. Das sie nichts verstanden hat und nicht,- wie sie doch vorher ach so gerne betont hat,- ehrlich zu uns ist. Wir haben uns wieder einmal geöffnet, ihr vieles erzählt, sie ist in unsere Familie hereingekommen, sie hat Einblicke bekommen, wir haben ihr vertraut… . Nun dies. Es brach eine Welt zusammen, die sie noch versuchte zu schlichten.“ Ja wissen sie, dass macht im Gutachten doch keinen Unterschied, das interessiert die dort doch garnicht, der bekommt doch seinen Förderbedarf und gut ist… . Nein, nichts war gut. Wie kann sie solch eine Meinung haben und die dann in den Bericht schreiben. Das ist doch nur wieder ein neues „Problem“ welches genauer bearbeitet werden muss.

Damit war für mich das Treffen vorbei und ich machte dicht. Warum sollte ich mich weiter bemühen nett und ehrlich zu sei, wenn Sie uns so in den Rücken fällt. Wer weiß, was sie noch so hinter unserem Rücken erzählt hat. Dies merkte sie natürlich auch und versuchte, alles abzuschwächen, schön zu reden und mir zu sagen, ich müsste lernen, den Jungen loszulassen, sonst würde der ja nie im Leben klarkommen. Also noch einen oben drauf. Sie glaubt also, dass wir ihm zu viel abnehmen und ihn beschützen. Wir ihn härter ran nehme müssten. Na super!

Ein Versuch, dass sie mir das mal näher erklären soll, scheiterte, da wir nicht mehr auf einen Nenner kamen. Aber bitte wann und wodurch ist sie zu diesen Erkenntnissen gelangt? Hatte sie die schon von Anfang an oder erst seit wir… gesagt oder gemacht haben? Oder ist es noch ganz anders, das ist nicht wirklich ihre Meinung, sondern eine Idee vom Schulamt? Damit die wieder noch etwas in Händen halten, womit sie uns weiter quälen können?

Als ich meinem Mann davon erzählt habe, war er genauso geschockt wie ich. Er versteht es auch nicht und versuchte am Abend mit ihr darüber am Telefon zu reden. Erst war sie noch freundlich, meinte, dass dies ihre Meinung wäre und sie uns nur helfen wollte. Das wir ja leider emotional so mit drin stecken würden und so nicht sehen würden, dass Tom nun endlich nicht mehr nur beschützt werden sollte, sondern lernen müsste, wie das Leben wirklich funktioniert… . Mein Mann wollte ihr erklären, dass sie doch so etwas medizinisches garnicht schreiben braucht, es ihre Kompetenz übersteigt und wir ja mit unserem Psychiater im Gespräch sind, der das wohl genauso sieht, wie wir… . Dies wollte sie alles nicht hören. Genauso wenig wie, damit liefern sie doch nur dem Schulamt wieder die Möglichkeit, dass wir beweisen müssen, das ein Klinikaufenthalt kontraproduktiv ist. Darauf meinte sie nur, „Herr M. das ist meine Meinung und die werde ich da ja wohl reinschreiben dürfen, das interessiert das Schulamt bestimmt eh, ( leider) nicht, aber ich lasse mich von Ihnen doch nicht erpressen…!

Wir wollten bestimmt niemanden erpressen, sondern ihr nur nahe legen, dass sie dies doch bitte nicht so hart schreibt oder es ganz weglassen könnte, da dies ja garnicht ihre Aufgabe sei, medizinische Aussagen zu machen. Sie könnte ja auch die Sätze etwas ändert, zb in,- vielleicht wäre ein Klinikaufenthalt eine gute Möglichkeit …! Das ansonsten ihr Satz vielleicht bedeutet, dass wir wieder Wochen oder Monate beschäftigt sein werden zu beweisen, dass Klinik keine Verbesserung bringt, sondern nur noch mehr Stress,… Nein, dass wollte sie nicht hören, meinte nur noch pampig,- „Das ist meine Meinung, dabei bleibe ich und das bleibt da stehen, wenn Sie anderer sind, können Sie dies ja auf dem Elternbogen so eintragen“! “ Ansonsten habe ich nichts mehr dazu zu sagen“- und legte auf.

Bums, da saßen wir nun. Wie konnte das passieren? Wo und wodurch, war sie zu dieser Meinung gekommen? Hatte, sie die von Anfang an? Oder hat sie Anweisungen vom Schulamt bekommen? Warum haben wir ihr so vertraut und Dinge erzählt, die wir nun gegen uns um die Ohren gehauen bekommen? Warum habe ich wieder einmal nicht mehr auf mein Gefühl gehört, welches mir sagen wollte, „Gib Obacht“! Ich habe mir gesagt, „ach hör doch, die sagt ja, sie sieht das genauso wie wir“!

Es machte sich Chaos, Enttäuschung, Wut, Angst und Ärger über mich selber breit. Da saßen wir nun und waren am Boden zerstört. Wie sollte es nun weiter gehen? Was kommt jetzt dadurch auf uns zu? Was kann dies nun alles bedeuten?

Fragen, fragen, fragen…die mussten wir erst einmal unserem Anwalt stellen. Gut, dass wir den an unserer Seite haben….

AOSF Gutachten,- Sonderpädagogin zum wundern

Also, es musste ein AOSF Gutachten erstellt werden. Wie unser Anwalt uns geraten hat, sollten wir dies auch mit machen, damit dadurch der Förderbedarf festgestellt werden kann und wir dann damit das Ruhen der Schulpflicht beantragen können.

So hieß es noch einmal, zusammenreißen und lächeln…

Also telefonierten wir mit ihr und sprachen einen 1. Termin ab, es sollte 3-4 geben. Auch Tom mussten wir davon berichten, denn er sollte ja getestet werden. Allein schon diese Ankündigung, dass jemand hier ins Haus kommt um ihn zu beobachten, die Frage, ob sie mal bei seinem Unterricht zusehen darf und die Ungewissheit, wie und was diese Frau von ihm alles will, lösten wieder Stress aus. Wir mussten ihm gut zureden, dass alles nur dazu dient, dass er endlich einen „Wisch“ bekommt, womit wir die Befreiung von der Schulpflicht beantragen können.

Nach den letzten 2 Jahren, naja eigentlich waren es ja schon fast 8 Jahre Kampf, erschien uns dies endlich wieder einmal als eine Möglichkeit, alles zu einem guten Ende zu bekommen. Wir haben immer um Verständnis gekämpft, den Leuten gesagt, dass er das nicht kann, versteht, ihn stresst…, aber kaum jemand nahm darauf Rücksicht oder glaubte uns. Eher hieß es, “ das muss der aber in dem Alter doch können…“!!!

Die Dame erschien uns recht nett und so einigten wir uns darauf, dass sie nachmittags vorbei kommt und wir schauen, ob Tom auch dabei sein möchte.

Schnell erzählte sie uns, dass sie sieht, wie schwer er es gehabt haben muss, dass die Lehrer in seiner alten Schule keine Ahnung haben, sich nicht weiterbilden wollen, ihm nicht geholfen haben… . Sieh eigne sehr viel Verständnis für unsere Situation und wollte uns helfen, dass wir nun ein gutes Gutachten bekommen.

Das unser Sohn nicht dabei war, war kein Problem, dann das nächste mal. Sie wirkte auf der einen Seite sehr kompetent, aber auf der anderen etwas chaotisch und frustriert, dass so viele nicht erkennen, wie sehr Autisten leiden und was sie nicht können… . Aber dabei machten wir uns keine Gedanken, dass genau dies noch ein Problem werden könnte.

Der nächste Termin, der dann mit Tom sein sollte, wurde ausgemacht. Wir einigten uns darauf, dass wir ersteinmal zusammen etwas spielen wollten, damit er sie langsam kennenlernen kann. Von da an, ging es ihm von Tag zu Tag schlechter. Der stresspegel stieg immer mehr an und er malte sich in Gedanken die wildesten Befürchtungen aus, was alles passieren könnte. Man merkte dies auch am Unterricht, er wurde wieder leichter krank, machte nur noch das nötigste, konnte sich nicht immer so gut konzentrieren, brauchte Unterstützung von mir, also saß ich wieder neben ihm.

Der Tag des Gesprächs kam und es ging ihm nicht gut. Da er wußte, er muss dabei sein, wurde es nicht besser. Auch nicht dadurch, das auch wir aufgeregt waren, weil es ja um viel ging. Für uns war es schwer, zu sehen, dass durch solch ein Gutachten wieder soviel Stress ausbricht. Das er leidet und sich dadurch quälen muss; nur weil andere meinen, dies sei hilfreich. So liesen wir es also gewähren und wanderten hindurch.

Sie erschien pünktlich, kam herein und ging direkt auf Tom zu, reichte ihm die Hand und redete auf ihn ein,… . “ was für ein schöner Tag heute, wie geht es dir denn, schön, dass wir uns endlich mal kennenlernen…“! Ich war etwas irritiert, denn damit hatten wir nicht gerechnet, dass sie ihn direkt so herausfordert. Wir hatten geglaubt, dass sie ersteinmal mit uns redet und ihm Zeit gibt, so das er auf sie zugehen kann. Aber nein, sie legte direkt los.

So setzten wir uns an den Tisch um ein Kartenspiel miteinander zu spielen. Im spielen fühlte er sich wohler, aber sie versuchte wieder die ganze Zeit mit ihm Kontakt aufzunehmen, ihn herauszufordern, zum reden zu bringen, etwas über ihn zu erfahren…sie machte Druck, den er nicht mochte und ihn stresste. So redete er zwar, aber nur das nötigste und unter höchster Anspannung. Es kam wie es kommen musste, sie verließ das Haus und er war platt. Auch den nächste Tag war kein Unterricht möglich. Dies war für uns ja nicht so schlimm, wir gaben ihm die Zeit sich zu erholen, denn gerade Stress in der Schule sollte es ja nicht geben, damit der Unterricht weiterhin immer besser und entspannter klappt.

In der nächsten Woche folgten noch 4 längere Fragebögen, die Tom ausfüllen sollte, damit sie noch deutlicher erkennen könnte, wo die Probleme liegen, bzw dokumentieren kann, dass er nicht in einer Regelschule im Moment unterrichtet werden kann. Auch dies strengste ihn sehr an, da die Fragen ja sehr sich um Schule treten und dies ja sein Trauma ist. Auch hier wieder 2 Tage Erholung nötig.

So erholte er sich wieder und konnte dann normal Unterricht weiter machen. Bis wir ihm sagen mussten, dass er morgen zum Gesundheitsamt soll um einen Hör- und Sehtest zu machen. Wieder was unerwartetes, neues. Dies war der Moment, wo er innerlich wieder in die alte Angst zurück viel. Dieses Gefühl von ausgeliefert sein, funktionieren müssen, weiter in die Schule müssen, auch wenn man krank ist… . Die letzten Wochen mussten wir ihm immer wieder von Terminen erzählen, von Veränderungen, er musste fragen beantworten über Schule, sein Rhythmus wurde gestört, jemand durchbrach sein “ Ford Knox“, er kam sich so ungeschützt und ausgeliefert vor… . Seine ganze Sicherheit, die sich in den letzten Monaten aufgebaut hatte, brach in sich zusammen. So folgten Tage der großen Unsicherheit, Angst und Sorge. Wir mussten ihn aufbauen, ihm sagen, dass alles wieder gut wird. Ihm Mut machen, ihn aber auch lassen, ihm die Zeit geben, die er brauchte um sich zu erholen. So brauchte er ein paar Tage und dann kam er von sich aus wieder zurück um mit uns Zeit zu verbringen.

So waren wir frohen Mutes, weil auch die Pädagogin immer nur betont hatte, dass das Gutachten so sein wird, wie wir das ja auch sehen. Die Lage beruhigte sich hier und der 3. Termin kam,- leider nicht ganz so wie erwartet.

Was sich verändert hat…

Seit mir aufgefallen ist, dass ich wunderbar bin, so wie ich eigentlich bin, habe ich immer mehr Frieden mit mir schließen können.

Lange hatte ich Angst, dass die Leute um mich herum sich alle von mir distanzieren, mich als „Faul“ betiteln oder schlecht über mich reden….

Ja, diese Menschen gibt es wirklich, aber bin ich von denen abhängig? Nein. Haben die auch schon früher schlecht geredet? Ja. Also hat sich da schonmal nichts geändert.

Ich durfte aber zu meiner großen Überraschung erleben, dass meine Familie und wirklichen Freunde versuchen mich zu verstehen und sich auf mich eingestellt haben. Früher konnten sie dies ja auch kaum, da ich den meisten vorgespielt hatte, ich könnte auch alles genauso. Ich habe es vor allen möglichst verborgen, dass ich viel Zeit zur Erholung benötige. Habe es eben nicht erzählt, dass es für mich besser ist, wenn sie zu Besuch kommen, weil ich dann nicht so vielen reizen ausgesetzt bin. Habe nicht erzählt, wie sehr mich eine Party oder ein Wochenende im Hotel stresst und wie lange ich brauche, um davon wieder fit zu sein. Kaum einer wußte, was ich mir damit selber angetan habe, ausgehalten oder ertragen… . Deshalb dauerte es ja auch, bis sie merkten, dass ich diese ganzen Dinge nur mit Stress machen kann. Für sie war es nie die Frage, kann sie das machen, ist dies zuviel oder bräuchte sie mal eine Pause, kann ich ihr irgendwie helfen, etwas erleichtern….? Sie hatten mich ja nie so im Blick.

Erst seit ich den Mut gefasst habe, zu erzählen, was in mir wirklich vorgeht, wo mein Level gerade steht, was möglich ist, wie sie mir helfen können…, lernen wir beide, wie gemeinsame Zeiten für alle am besten gestaltet werden kann. Es ist ein lernen für beide Seiten. Ich erzähle ihnen ehrlich, was los ist und so können sie überlegen, wie sie damit umgehen können oder möchten. Dann suchen wir beide zusammen die beste Lösung.

Beispiel, meine Freundin lädt mich zu ihrer Geburtstagsparty ein, auf der ich schon öfters war. Manchmal klappte es recht gut, da ich da gerade sonst wenig Stress hatte. Aber meistens war dies für mich eher eine Qual. Ich wollte es aber immer machen, was bin ich denn für eine Freundin, die nicht zu ihrer Feier geht? Seit ich aber ihr erzählt habe, wie ich solch einen Abend durchhalte, ist sie traurig und schon fast sauer, dass ich es ihr nicht früher schon gesagt habe. Seit dem machen wir zusammen ein eigenes treffen. Jenachdem wie es mir geht, fahre ich an einem Morgen zum Frühstück zu ihr oder sie kommt zu mir und bringt alles mit. Wir haben eine entspannte Zeit miteinander und ich brauche sehr wenig Erholung davon. Wie schön dies doch ist, so kann ich nun ganz entspannt mich auf ihren Geburtstag freuen, da ich weiß, wir machen es so, wie es für uns beide gut ist.

Nach und nach konnte ich so lernen, immer mehr zu sagen, wie es mir gerade geht und wie hoch mein Level gerade ist. Die Leute wissen nun, dass es schonmal schwankt und ich Termine verschiebe oder Absage. Sie wissen, dass ich sie mag und gerne mit Ihnen Zeit verbringe, es mir aber nicht immer alles so möglich ist. Es ist nun kein vertuschen, beschönigen oder quälen nötig. Dies hat uns allen sehr viel vertrauen und Entspannung gebracht. Mir, da ich weiß, ich darf ehrlich sein, sie mögen mich trotzdem und Ihnen, da sie nun verstehen, warum ich manchmal so komisch reagiert habe, versucht habe, Dinge zu ändern… . Wir alle wissen, dass wir uns mögen, weil wir, wir sind und nicht, weil wir Feten miteinander feiern. So hat sich nach anfänglicher Verwirrung und Neuorientierung alles zum Guten gewendet.

Ja, es stimmt, ich habe ein paar „Freunde“ verloren, sie kamen damit nicht klar oder wollten trotzdem weiter, dass ich alles so mitmache wie früher, aber dies waren die wenigsten. Nur das was ich an neuer Freiheit, Ruhe, Energie,… gewonnen habe, ist viel mehr wert, als die paar Menschen, die komisch reagierten.

Auch den Nachbarn haben wir ehrlich gesagt, dass ich nicht mehr immer zu den Feiern kommen werde, da diese mich oft zu sehr stressen. Was die nun von mir denken, weiß ich nicht bei jedem, was sie sich von mir erzählen, auch nicht. Aber so kann ich damit Frieden schließen und mir sagen, ich habe es erklärt, was die nun daraus machen, ist ihr Ding.

Mir tut es gut und ich ärgere mich höchstens, dass ich dies nicht schon viel früher so getan habe. Auch ist es schwer, mit anzusehen, wie immer noch Menschen, die uns eigentlich helfen sollten, uns versuchen zu zwingen, dass wir doch wieder besser uns verstellen und durchhalten mögen. Dabei geht es aber oft nur ums Geld, also ums bezahlen von Therapien oder wie bei Tom um das bezahlen von der Webschule. Aber auch Psychiater haben leider oft noch die Ansicht, dass ein Asperger das lernen muss und das er es mit einer Konfrontationstherapie lernt. Bei denen ist es noch nicht angekommen, dass es ähnlich ist, wie bei einem Blinden, der lernt auch nicht besser sehen, indem ich ihn zwinge in ein Buch zu schauen.

Gut ist, dass wir eine Familie sind, die sich gegenseitig hilft und so können wir oft auf solche „Hilfen“ verzichten. Schwierig ist es, wie die ganzen letzten Jahre bei Tom, wo Behörden von uns einfach soviel erwarten, da es eine Schulpflicht gibt. Die aber nur von unserer Seite aus, gut erfüllt werden muss. Aber auch dies bekommen wir nun noch hin, bis er da durch ist, dies ist hoffentlich bald der Fall.